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Wir stellen auf dieser Seite Frauen vor, die im Kampf gegen Atomenergie aktiv sind.
Weitere Portraits und Interviews mit Anti-Atom-Aktivistinnen finden Sie in dem Buch "Frauen aktiv gegen Atomenergie - wenn aus Wut Visionen werden", das genanet anlässlich des 20. Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe herausgegeben hat. Es hat an Aktualität nichts verloren.
(AFP) - 11. April 2011 Schönau -
Die Umweltaktivistin Ursula Sladek aus Schönau im Schwarzwald wird in den USA mit einem der wichtigsten Preise für Umweltschutz, dem Goldman Environmental Prize, ausgezeichnet. Die 64-Jährige soll ihn am Montagabend (Ortszeit) in San Francisco (USA) entgegennehmen.
Die als "Stromrebellin" bekannte Sladek wird für die Gründung der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) geehrt, dem ersten deutschen genossenschaftlich organisierten Stromunternehmen auf Basis erneuerbarer Energien. Sladek hatte als Reaktion auf die atomare Katastrophe von Tschernobyl gemeinsam mit anderen Anti-Atomaktivisten 1997 das Stromnetz des Orts mit 2500 Einwohnern gekauft und seitdem zu einem führenden Ökostrom-Anbieter mit über 100.000 Kunden ausgebaut.
Der mit 150.000 US-Dollar dotierte Goldman Environmental Prize wird jedes Jahr an sechs Preisträger aus sechs Kontinenten vergeben.
In diesem Jahr geht er in seiner 22-jährigen Geschichte zum zweiten Mal nach Deutschland. Zuvor war die Umweltlobbyistin Heffa Schücking 1994 damit geehrt worden.
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Als die Gewerkschafterin Eleonore Bischoff 1996 nach Wolfenbüttel zog, wusste sie nicht, dass es dort ein Atommüll-“Endlager“gibt bzw. was Asse II ist. Das sollte sich ändern. Zur Lichterkette von Braunschweig über Wolfenbüttel (Asse II) bis Salzgitter (Schacht Konrad) im Februar 2009 mobilisierten Eleonore und ihr Mann fast 50 Leuten, mit denen sie „Licht ins Dunkel bringen“ wollten.
Danach war klar: sie wollte weitermachen. Aber wie? Der Asse-2-Koordinationskreis war ihr Ding nicht, auch wenn sie es für sehr wichtig hält, dass es Menschen gibt, die Hintergrundinformationen liefern. Sie selbst gehört eher zu denen, die diese Inhalte in einer verständlichen Sprache an Otto-NormalverbraucherIn weitergeben. „Ich wollte Öffentlichkeitsarbeit machen, auf der Straße Leute ansprechen, aber nicht stundenlang über wissenschaftliche Feinheiten diskutieren“.
Eleonore Bischoff wohnt nicht nur 8,5 km von Asse 2, sondern auch 11 km von Schacht Konrad, 35 km von Morsleben und 110 km von Gorleben entfernt. Das sind alle bisherigen tatsächlichen, genehmigten oder geplanten Atommüllendlager. „AKWs können abgeschaltet werden, aber deren Müll strahlt ewig“. Gerade deshalb setzt sie sich nicht nur für eine sichere Endlagerung ein, sondern natürlich auch für den Ausstieg aus der Atomenergie. Sie betont, dass neben den beiden abgeschalteten Pannenreaktoren noch 6 Atomkraftwerke auf einen Schlag abgeschaltet werden können, ohne dass ein Licht bei uns ausgehen müsste, da diese sechs AKWs ausschließlich für den Export – und natürlich den Gewinn der Atomkonzerne – produzieren. Außerdem behindern die AKWs den Ausbau der regenerativen Energien. „Ich kann und will unseren Kindern nicht sagen, ich hätte von nix gewusst. Und in diesem Fall müssen die Kinder später nicht nur die moralische Bürde tragen, sondern die tatsächliche Gefährdung, nach dem Motto: Kinder haften für ihre Eltern.“
Deshalb ist Eleonoare Mitglied im Verein aufpASSEn und hat nach der Menschenkette zwischen Brokdorf und Krümmel im April 2010 die Bürgerinitiative Wolfenbütteler AtomAusstiegsGruppe WAAG mit gegründet. Die WAAG sieht sich als Ergänzung zu aufpASSEn, sie will die Öffentlichkeitsarbeit speziell in Wolfenbüttel fördern, macht derzeit an jedem letzten Samstag im Monat einen Info-Stand in der Innenstadt und wirbt dafür, den „Atomausstieg selber zu machen“.
1.000 Kraniche für eine atommüllfreie Asse
Eine ganz besondere Aktion hat sie im Mai letzten Jahres mit einer Mitstreiterin, ihrer Freundin Jutta Wegmann, auf dem Wolfenbütteler Umweltmarkt begonnen: die Aktion „1.000 Kraniche für eine atommüllfreie Asse“. Sie basiert auf der japanischen Legende, nach der die Götter dem einen Wunsch erfüllen, der tausend Origami-Kraniche faltet. Bekannt wurde die Legende durch Sadako, einem japanischen Mädchen, das beim Bombenabwurf auf Hiroshima zwei Jahre alt war und mit 12 Jahren an Leukämie erkrankte. Ihre Freundin erzählte ihr von der Legende, sie faltete über 1000 Kraniche. Mit 14 Jahren starb sie, aber ihre Geschichte ging um die Welt. In Hiroshima wurde ihr ein Denkmal errichtet und der Origami-Kranich wurde zum Symbol gegen den Atomkrieg.
Von dieser Aktion werden vor allem Frauen, aber auch Kinder und Jugendliche angesprochen, die sonst nicht an einen politischen Stand oder zu einer entsprechenden Veranstaltung gehen würden. Beim Falten bleibt genügend Zeit, sich im persönlichen Gespräch über Asse II und die Atompolitik zu unterhalten. Mittlerweile haben sie schon viele Mitstreiterinnen gefunden und schon weit über 1.000 Kraniche gefaltet. Sie beteiligten sich mit der Kranich-Aktion bisher an 13 Veranstaltungen, von Schulfesten bis zum Weihnachtsmarkt.
Jetzt erst recht!
Wie hält sie häufig das häufig so frustrierende Engagement bei allen Rückschlägen durch? „Wäre ich alleine, dann wäre ich vielleicht entmutigt, aber so lange wir eine gut funktionierende Gruppe sind, mit netten Leuten und solange uns die Ideen nicht ausgehen, geht mir auch der Mut nicht aus. Es sind halt die kleinen Gesten: wenn Leute am Samstag extra zu uns an den Stand kommen um uns 100 Kraniche zu bringen, uns einladen, damit das Thema wach bleibt.“
Frauen, die sich engagieren wollen, gibt sie mit auf den Weg: Sie sollten nicht den Anspruch haben, sich schon auskennen zu müssen, bevor sie mit der Arbeit in einer Initiative anfangen. Mut zur Lücke. Auch die schon länger dabei sind, wissen nicht alles. Bei Aktionen fallen auch immer ganz praktische Arbeiten an, jede Unterstützung wird geschätzt. Eine Aktion wie die mit den Kranichen ist ein guter Einstieg, bei der frau sich auch ohne großes Hintergrundwissen über Ängste und Beweggründe austauschen kann.
Niemand sollte sich scheuen zu sagen: ‚Das weiß ich nicht, ... kannst du mal kommen, weißt du das?’ Bei uns gibt es eine Frau, die sich vor statt hinter unseren Stand stellt. So haben wir schon mal „Publikum“, sie ist dabei und kann bei den Gesprächen zuhören, ist aber nicht in der Situation Rede und Antwort stehen zu müssen.
Die Grundvoraussetzung für jedes Engagement aber ist, dass alle sich in der Gruppe wohl fühlen, denn Anti-Atom-Arbeit darf und soll auch Spaß machen, sonst hält keiner/r das lange durch.
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Margarete Albers lebt im Landkreis Lüchow-Dannenberg und hat schon verschieden Funktionen in der Anti-Atom-Bewegung innegehabt. Die Idee eine Frauenbezugsgruppe für den Castortransport 2010 zu organisierten hat ihr wieder neue Motivation für das Engagement gegeben.
Ursprünge
Ihr Engagement gegen Atomenergie begann aber schon, bevor sie in die Region zog, wo Atomenergie ein ständiges Thema ist: Ich setzte mich seit den 70er Jahren gegen Atomenergie ein. Zu der Zeit lebte ich in Husum an der nordfriesischen Westküste und es gab Pläne für Atomkraftwerke im Wattenmeer. Wir Aktivisten gründeten eine gewaltfreie Aktionsgruppe und betrieben viel Aufklärungsarbeit, machten Aktionen bis hin zu Exkursionen nach Dänemark zu Bauernhöfen, die Alternativenergieanlagen betrieben. Überhaupt arbeiteten wir oft mit den Dänen, die das Motto „Atomkraft-nej tak“, heute weltweit in vielen Sprachen DAS Emblem, mal entwickelt hatten, zusammen. So fuhren wir unter anderem zusammen nach Schweden (Barsebäk), um gemeinsam gegen das AKW dort zu protestieren. Neulich beim letzten Castor-Transport im Wendland traf ich einen Schweden, der berichtete, dass Barsebäk im Zuge des schwedischen Wiedereinstiegs wieder anlaufen soll.“
Das Wendland
Seit 31 Jahren ist Margarete Albers nun im Wendland dabei, sie hat hier mit anderen zusammen 1980 in Wustrow die‘ Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion‘, die „Kurve“ gegründet, die gezielt im Umfeld von Gorleben eingerichtet worden ist.
Gorleben-Frauen
Bei den Gorleben-Frauen, die auch heute noch sporadisch aktiv sind, war sie lange aktiv. Zum Castortransport im Herbst 2010 hat sie eine überregionale Frauen-Bezugsgruppe für die Blockade von X-tausendmal quer am Zwischenlager mitorganisiert. „Wie schon erwähnt, macht es mir großen Spaß, mit Frauen (und auch Männern) von außerhalb zusammen zu agieren. Das Gefühl der Verankerung in der Republik tut so gut und mit Frauen besonders!
Hier im Landkreis sind die politischen Aktionen natürlich auch immer gesellschaftliche Ereignisse; man trifft sich. Überhaupt hat der Widerstand sehr vieles hervorgebracht an kreativen Ideen in vielerlei Richtung.“
Das macht Mut
„Eindeutig Mut macht die große, engagierte Beteiligung beim letzten Transport. Wir haben es glaube ich, alle genossen, die Frauen aus Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Kassel und aus dem Wendland, gemeinsam eine Nacht auf der Straße zu verbringen – wenn‘s auch bitterkalt war –und unseren Protest gegen die Atompolitik auszudrücken. Auf der Ebene der ansonsten eher ignoranten politischen Klasse, hege ich manchmal einen Hauch von Hoffnung, wenn CDU-Politiker andeuten, dass vielleicht auch noch an anderen Stellen Erkundungen durchgeführt werden. Und ‚wir‘ sind in der Presse und öffentlichen Diskussion gut vertreten. Entmutigend finde ich allerdings, dass in europäischen Nachbarländern zum Teil wieder neu auf Atomkraft gesetzt wird. Letztlich gibt es echte Veränderungen immer nur von unten; deshalb müssen wir einfach durchhalten!“
Frauen, die selber aktiv werden möchten empfiehlt Margarete Albers vor der eigenen Haustür anzufangen und sich dort nach einer politischen Gruppe umzusehen, die einem gefällt. Ihr gefallen auch die neuen Möglichkeiten im Internet aktiv zu werden, sich zu informieren und die Meinung zu äußern.
Gina Gilling von den Müttern gegen Atomkraft in der taz
Barbara Geier-Häckh von „Mütter gegen Atomkraft“ in der Nürnberger Zeitung.