NEWSLETTER

genaNews April 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

 

seit dem letzten Newsletter ist einige Zeit vergangen, aber viel passiert. Mit ein Grund weshalb wir es nicht geschafft haben, nebenbei noch die genaNews zu erstellen. Wir hoffen, zukünftig wieder im Dreimonatsrhytmus, dafür aber kürzer, informieren zu können. Unterstützung ist dabei immer hoch willkommen.

 

Die Klimakonferenz im Dezember in Paris war einer der Gründe für die Verzögerung, aber auch unsere eigenen Aktivtäten im Projekt GenderNETCLIM. Über beides wird ausführlich in diesem Newsletter berichtet.

 

Wie im letzten Newsletter versprochen, befassen wir uns in diesem Newsletter auch nochmal mit einer Replik der im September 2015 verabschiedeten Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs). Wir waren im Herbst in Bonn an der Veranstaltung des Internationalen Frauenzentrums und der Marie Schlei Stiftung zur Einschätzung der SDGs beteiligt und im Beirat des Gender Summit 6, der eine Publikation zu der „Rolle von genderbasierten Innovationen für die nachhaltigen Entwicklungsziele“ begleitet hat, mit denen der Forschungsbedarf zu den einzelnen Zielen identifiziert wurde.

 

Darüber hinaus finden Sie in diesen genaNews unter anderem Beiträge zu geschlechterspezifischem Konsum und seinen Preisen, zu Frauen in der Biobrache, Gender Mainstreaming in nationale Biodiversitätsstrategien, Maskulinität und Klimawandel sowie zu neuen Publikation, Projekten und aktuellen Veranstaltungen.

 

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und freuen uns wie immer über Rückmeldungen und Hinweise auf Aktivitäten aus dem Bereich Gender, Umwelt und Nachhaltigkeit.

 

Das genanet Team

Inhalt

Neues aus dem Projekt GenderNETCLIM

Abschlusstagung stieß auf großes Interesse

 

Nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs)

Grün, fair, gendergerecht?


Das Pariser Klimaabkommen – eine Einschätzung aus Gender-Perspektive

Gender und Menschenrechte waren nur Verhandlungsmasse

 

Women's Global Call for Climate Justice

GenderCC beteiligte sich am Globalen Aufruf von Frauen für Klimagerechtigkeit

 

Gender Mainstreaming bei der Umsetzung der UN Biodiversitätskonvention

Informations- und Dikussionsplattform ins Leben gerufen

 

Studie zu nachhaltigem Konsumverhalten und dessen Umsetzung im Alltag

Frauen haben höheren "grünen Intelligenzquotienten"

 

Nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum

Das Projekt Alltagsspuren

 

Frauen in der Bio-Branche – Vorbild für andere Wirtschaftszweige

Überdurchschnittlicher Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Bio-Branche

 

Frauenprodukte haben ihren Preis. Männerprodukte auch – kosten aber weniger

Studie zu Preisunterschieden zwischen Frauen- und Männerprodukten

 

She Figures – mehr Frauen in der Forschung aber immer noch zu wenig Genderforschung

Europäische Kommission veröffentlicht Studie zu Gender in der Forschung

 

Maskulinität und Klimawandel

Erste Schritte um eine Forschungslücke zu schließen

 

Geschlechtergerechtigkeit und Klimafinanzierung

OECD Studie zur Berücksichtigung von Gender in klimawandelbezogenen Entwicklungsprojekten

 

Gender und Migration in Zeiten des Klimawandels

Eine Auseinandersetzung mit einer hochaktuellen, aber wenig erforschten Herausforderung

 

Vorstellung des "Blogs zur Klimadebatte" von Sybille Bauriedl

 

Zum Weiterlesen

Neue Publikationen

 

Veranstaltungen

 

Zum Schluss was zum Genießen

Schauspieler_innen rezitieren Gedichte über den Klimawandel

 

Impressum

 

An- und Abmeldung Newsletter

Neues aus dem Projekt GenderNETCLIM

Seit April 2015 führt das artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen in Kooperation mit GenderCC – Women for Climate Justice e.V. das Projekt GenderNETCLIM – Kompetenznetzwerk Chancengerechtigkeit im Klimawandel durch. Mit dem Projekt wird ein Beitrag zur Integration von Chancengerechtigkeit in Strategien zum Klimaschutz sowie zur Anpassung an den Klimawandel geleistet. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Vernetzung und Förderung von Akteur_innen und Wissenschaftler_innen in Klimaforschung, Klimaschutz und Klimaanpassung.

 

Am 1. März 2016 fand die Abschlusskonferenz des Projektes in Berlin statt, die Expert_innen aus Wissenschaft und Praxis zusammenbrachte. Erörtert wurde, wie Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel (geschlechter-)gerecht gestaltet werden können; wie Erkenntnisse aus der Gender-Forschung für klimapolitische Strategien genutzt werden können; wo konkrete Ansatzpunkte hierfür liegen; und welcher Handlungsbedarf für die Integration von Gender in Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel besteht.

 

Das große Interesse an der Tagung und am Vernetzungstreffen am Vorabend der Tagung haben den Bedarf an Austausch und das Interesse an Zusammenarbeit gezeigt und deutlich gemacht, dass das Thema Gender und Klima nicht nur bezogen auf den Globalen Süden zu betrachten ist, sondern ebenso die Implikationen für die Klimapolitik und -forschung in Deutschland in den Blick genommen werden müssen.

 

Weitere Informationen zur Tagung, die Präsentationen und die Graphic Recordings sind auf der Webseite des Projektes GenderNETCLIM verfügbar: www.gendernetclim.de/tagung

 

Für das Vernetzungstreffen am Vorabend der Tagung haben Student_innen der Universität der Künste (UdK) Berlin und der Hochschule für Musik und Theater (HMT) Leipzig eine Performance zum Thema Gender und Klima erarbeitet haben. Ein Video der Vorführung können Sie hier ansehen.

 

Um die Integration der Genderperspektiven in klimapolitische Maßnahmen auch über den Projektzeitraum hinaus weiterzuentwickeln und zu verstetigen, möchten wir ein bundesweites Kompetenz- und Expert_innen-Netzwerk "Chancengerechtigkeit im Klimawandel" aufbauen. Damit sollen zwei Ziele verfolgt werden: (1) es soll die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen Personen, die in den Themenfeldern Gleichstellung und/oder Klimawandel arbeiten, unterstützt werden. Dazu wurde eine Mailingliste eingerichtet, für die Sie sich hier eintragen können. Die Liste dient dem weiteren Austausch, der kollegialen Unterstützung oder auch der gemeinsamen Entwicklung von Ideen oder Projekten; (2) soll damit ein Überblick gegeben werden über Expertise und mögliche Ansprechpersonen zu Gender und Klima. Wenn Sie also auch fachlich beratend zu Klima+Gender zur Verfügung stehen möchten, tragen Sie sich bitte in die "Expert_innen-Liste Gender+Klima" ein, die wir in Form eines pdf-Dokuments auf der Seite des Kompetenzzentrums Klimafolgen und Anpassung (KomPass) des Umweltbundesamtes einstellen werden. Hierfür füllen Sie bitten das Formular aus und schicken es per Mail an Karin Fischer: fischerk@uni-bremen.de

Nachhaltige Entwicklungsziele: Grün, fair, gendergerecht?

Im September 2015 wurden in New York mit großem Presserummel die nachhaltigen Entwicklungsziele verabschiedet. 17an der Zahl, decken sie alle wesentlichen Umwelt- und Gerechtigkeitsthemen ab. Gefeiert wurden sie als umfassende und neue Ziele, die eine Verbindung zwischen wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltiger Entwicklung herstellen. So neu ist dies ja nun nicht, war das doch schon das Ziel der Rio Agenda 1992 und der folgenden Nachhaltigkeitsdiskurse. Neu ist allerdings wirklich, dass die Ziele überall auf der Welt umgesetzt werden sollen, also auch in Deutschland. Dazu gleich mehr.

 

Die 17 Hauptziele sind unterlegt mit einer Reihe von Unterzielen, so dass insgesamt 169 Ziele definiert wurden. Das wirkt dann an vielen Stellen doch schon ein bisschen wie ein Bauchladen. Die Ziele befassen sich u.a. mit der Beseitigung von Armut und Hunger, mit der Herstellung von Geschlechtergleichheit und Gerechtigkeit innerhalb und zwischen den Staaten, mit nachhaltigem Wirtschaftswachstum und mit Klimawandel. Bereits ein erster Blick offenbart die Widersprüche und die fehlende Kohärenz zwischen den Zielen. Was sonst noch fehlt: Rechtsverbindlichkeit und damit auch fehlende Sanktionsmöglichkeiten bei Nicht-Erreichung der Ziele. Auch die Festlegung oder auch nur Erwähnung planetarischer Grenzen, die ja nun wirklich seit mehr als 30 Jahren bekannt sind, sucht man vergebens. Umweltziele sollen auf rein technische Weise erreicht werden – Suffizienz kommt gar nicht vor. Und vor allem fehlt das für die Umsetzung dringend nötige Geld. Da wird einmal mehr auf Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft, auf Public Private Partnerships gesetzt.

 

Immerhin, es gibt das Ziel 5 als eigenständiges und transformatives Ziel (Transformative Stand-alone Goal), auch bei den anderen Zielen ist es der Women Major Group in mühsamer jahrelanger Arbeit gelungen, Gender- oder zumindest Frauenaspekte zu verankern. Das ist ein wichtiger Erfolg. Messen lassen muss sich der Erfolg dieses wie auch aller anderen Ziele mit Indikatoren, die aktuell verhandelt werden.

 

Verankert wird die Umsetzung der SDGs in Deutschland mit der Nachhaltigkeitsstrategie (NHS). Auch diese ist unverbindlich und vage. Was die SDGs für die Nachhaltigkeitsstrategie bedeuten, wird bei einem „Dialogprozess“ der Bundesregierung, der bereits begonnen hat, erörtert. Hinterher soll entschieden werden ob die NHS so ausreicht, oder angepasst werden muss. Ein Blick auf das Programm, die SprecherInnen und die Themen der Dialoge lassen dann doch Bedenken aufkommen. Klar sollte aber sein, dass eine halbwegs akzeptable Umsetzung der SDGs eine Herausforderung an alte Politikmuster ist. Nur wenn die aufgebrochen werden können, besteht vielleicht auch eine Chance für neue Strukturen und den Abbau von Androzentrismus und Ungerechtigkeiten.

Das Pariser Klimaabkommen – eine Einschätzung aus Gender-Perspektive

Die Klimakonferenz Ende letzten Jahres in Paris  hat viel Aufmerksamkeit erregt, das dort verabschiedete Pariser Klimaabkommen wurde in den Medien viel diskutiert. Auch genanet und GenderCC – Women for Climate Justice e.V. waren bei den Verhandlungen mit dabei und haben vor Ort den Verhandler_innen auf die Finger geschaut.

 

Die Hoffnungen auf ein Klimaabkommen, das der Dringlichkeit des Problems gerecht wird, das global fair ist und das Thema Klimagerechtigkeit ebenso wie Geschlechtergerechtigkeit verankert, das verbindliche Ziel- und Zeitvorgaben zur Emissionsminderung vorgibt und damit das Überleben der kleinen Inselstaaten und anderer Entwicklungsländer sichert, waren nicht allzu hoch. Insofern ist zu begrüßen, dass überhaupt eine Einigung zwischen den 195 anwesenden Staaten erzielt wurde. Darin wird festgelegt, dass die globale Temperaturerwärmung unter 2°C, möglichst sogar unter 1,5°C gehalten werden soll. Das Problem: das WIE bleibt völlig offen und unverbindlich. Die bisher von den Staaten erklärten freiwilligen Minderungssziele lassen uns auf 3°C bis 4°C Erwärmung zusteuern und im Paris Agreement heißt es lediglich, dass die Trendumkehr (peaking) bei den globalen Emissionen "so bald wie möglich" erreicht werden soll und eine globale Treibhausgasneutralität erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts angepeilt wird.

 

Ebenso enttäuschend war für uns, dass buchstäblich in letzter Minute die Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit aus dem verbindlichen Abkommen in die unverbindliche Präambel verschoben wurde. Gender und Menschenrechte seien halt Verhandlungsmasse, wurde uns von hochrangigen Vertreter_innen der deutschen und der EU Delegation klar gemacht. Verbrieftes Recht als Verhandlungsmasse, die für Kompromisse geopfert werden kann? Gerade angesichts des schwachen Abkommens wären die Menschenrechte, damit auch die Rechte von Frauen, immens wichtig gewesen um schlimmste Auswirkungen des Klimawandels und klimapolitischer Maßnahmen zu verhindern.

 

Die Mitgliedsorganisationen der Beobachtergruppe der Frauen- und Genderorganisationen (Women and Gender Constituency) im internationalen Klimaprozess haben eine gemeinsame Stellungnahme zu den Ergebnissen der Klimakonferenz in Paris verfasst (in Englisch).

 

Im Anschluss an die Klimakonferenz in Paris wurde auf dem Blog Ecoquent-Positions eine Serie zum Titel "Expertinnen sagen, was jetzt zu tun ist. Ist der Vertragsentwurf eine Enttäuschung?" veröffentlicht. In dieser Artikelserie kamen Energie- und Umwelt-Expertinnen, die an der internationalen Klimakonferenz COP21 in Paris teilgenommen haben, zu Wort. Lesen Sie hier das Interview mit Ulrike Röhr von genanet.

Women's Global Call for Climate Justice

Im Vorfeld der Klimakonferenz in Paris haben sich Frauen- und Genderorganisationen aus der ganzen Welt zusammengeschlossen und mit der Kampagne Women's Global Call for Climate Justice (Globaler Aufruf von Frauen für Klimagerechtigkeit) auf die Dringlichkeit eines ambitionierten Klimaabkommens und die Notwendigkeit soziale Gerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit darin zu verankern, zu pochen.

 

Unsere Partnerorganisation GenderCC – Women for Climate Justice e.V. beteiligte sich an der Kampagne, indem sie eine Fotoaktion initiierte, bei der Visionen einer gender-gerechten Klimapolitik visualisiert wurden. Unter dem Motto "Women's Run for Climate Justice (Frauenlauf für Klimagerechtigkeit)" ging beim Staffel-Marathon am 22. November 2015 auf dem Tempelhofer Feld ein GenderCC-Team an den Start und trug unsere Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit in der Klimapolitik in die Öffentlichkeit. Weitere Informationen, Fotos und ein Video zum Frauenlauf finden Sie hier.

 

Außerdem fand am 19. November 2015 ein Informations- und Netzwerkgespräch zum Thema "Was hat Gender mit der Klimakonferenz in Paris zu tun?" statt. Beim Netzwerkgespräch ging es um die Fragen, warum Geschlechtergerechtigkeit in der Klimapolitik relevant ist, welche Rolle Gender in den aktuellen Klimaverhandlungen spielt und wie sich Gender-Aspekte in den einzelnen Verhandlungsthemen wieder finden. Gemeinsam mit den Teilnehmer_innen wurde diskutiert, wie sich zivilgesellschafliche Akteure gemeinsam für Klima- und Gender-Gerechtigkeit einsetzen können, um Veränderungen anzustoßen, die weit über die Beschlüsse von Paris hinausgehen.

Gender Mainstreaming bei der Umsetzung der UN Biodiversitätskonvention

Bereits in der Präamble der UN Biodiversitätskonvention, bzw. des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) wurde die wichtige Rolle von Frauen bei der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt hervorgehoben. Die CBD war auch die erste Rio-Konvention, die einen Gender-Aktionsplan erstellt hat, der 2008 verabschiedet und dann für den Zeitraum 2015-2020 erweitert wurde. Als Hauptziel wird darin die Integration einer geschlechtsdifferenzierenden Perspektive in das CDB genannt sowie die Stärkung der Partizipation von Frauen.

 

Zur Unterstützung der nationalen Umsetzung der Pläne und Beschlüsse gibt es auf der Seite des NBSAP Forums die Möglichkeit, sich zum Gender Mainstreaming und zu Genderaspekten bei der Umsetzung der National Biodiversity Strategy and Action Plans (NBSAPs) zu informieren und miteinander zu diskutieren.

Studie zu nachhaltigem Konsumverhalten und dessen Umsetzung im Alltag

Das Heiz- und Klimatechnikunternehmen Vaillant und das Marktforschungsinstitut TNS Infratest haben 13.500 Menschen in 13 Ländern auf den Zahn gefühlt, um herauszufinden, was sie über nachhaltiges Konsum- und Mobilitätsverhalten denken und ob und wie sie umweltfreundlich handeln.

Die so genannte GreenIQ Studie hat interessante Ergebnisse hervorgebracht: Die Deutschen zeigten sich in der Studie vorbildlich beim Verzicht auf Plastiktüten. 82% der Menschen hierzulande benutzen wiederverwendbare Körbe oder Taschen, um ihre Lebensmittel zu transportieren. Das sind mehr als in jedem anderen Land. Auch beim Wassersparen sind die Deutschen führend. Die Mehrheit (83%) stellt beim Zähneputzen das Wasser aus. Ebenfalls vorbildlich: Fast 85% trennen immer ihren Müll. Damit liegt Deutschland auf Platz 2 hinter Belgien. Dagegen kennen nur 19% der Deutschen den Energieverbrauch ihres Hauses oder ihrer Wohnung. Nachholbedarf besteht auch beim Konsumverhalten. Lediglich 9% der Befragten sind bereit, mehr für Produkte mit Fair Trade Label zu zahlen.

Die Studie hat auch bestätigt, dass Frauen einen höheren "grünen Intelligenzquotienten" haben und sich umweltbewusster verhalten. Zwar scheinen deutsche Männer grüner zu denken, beim tatsächlichen Verhalten liegen die Frauen dagegen weit vorn.

 

Alle Ergebnisse der Studie finden Sie hier. Auf dieser Webseite kann außerdem jede für sich im Schnelltest ihren individuellen grünen Intelligenzquotienten ermitteln.

Nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum - Das Projekt Alltagsspuren

Nachhaltige Mobilitätskonzepte werden bisher in erster Linie für Städte entwickelt und umgesetzt. Das liegt auf der Hand, haben doch Großstädte mit hohen Feinstaubbelastungen und dauerverstopften Straßen zu kämpfen, und sind – auch wegen den Pendler_innen aus dem ländlichen Raum – für einen Großteil der Treibhausgasemissionen im Bereich Mobilität verantwortlich.Wo viele Menschen auf engem Raum leben ist es außerdem einfacher und dringlicher den Öffentlichen Nahverkehr zu auszubauen und alternative Arten sich fortzubewegen, wie Fahrradfahren oder zu Fuß gehen, zu fördern.

Aber was ist mit ländlichen Regionen? Wie kann nachhaltige Mobilität in Regionen gefördert werden, in denen weniger Menschen leben und diese weitere Strecken zurücklegen müssen?

 

Dieser Herausforderung stellt sich das österreichische Projekt Alltagsspuren. Im Rahmen des Projektes werden für ländliche Gemeinden, die für ihre Bevölkerung nachhaltige Mobilitätslösungen anbieten möchten, leicht handhabbare Instrumente entwickelt. Dabei wird besonders auf die Diversität der Bewohner_innen und die daraus resultierenden unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse geachtet.

 

Regionales Wissen und Erfahrungen von Gemeindevertreter_innen und Bewohner_innen wird auf der Webplattform www.alltagsspuren.at gesammelt und zur Sensibilisierung und Aktivierung der Bevölkerung aufbereitet. Dies ermöglicht es, die konkreten aktuellen und zukünftigen Bedingungen, Anforderungen und Wünsche bezüglich nachhaltiger Mobilität gemeinsam mit den verantwortlichen Personen vor Ort zu analysieren und für Planungen zu nutzen.

Frauen in der Bio-Branche – Vorbild für andere Wirtschaftszweige

Während sich ein Großteil der Unternehmen und Branchen in Deutschland immer noch dagegen stemmen, mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, geht die Bio-Branche mit gutem Beispiel voran. Eine Untersuchung des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) hat ermittelt, wie viele Hersteller, Groß- und Einzelhändler von Frauen geführt werden: rund 40 % der befragten Unternehmen werden von Frauen geleitet oder mitgeleitet. Gemessen am Bundesdurchschnitt ist das ein beeindruckendes Ergebnis.

 

In der Landwirtschaft sprechen die Zahlen jedoch eine andere Sprache. Laut einer Statistik der Europäischen Kommission werden in der EU im Durchschnitt 26 % der ökologischen Agrarbetriebe von Frauen geleitet. In Deutschland liegt der Anteil sogar nur bei 11%. Was die Zahlen aber nicht verraten ist, dass es sich zum Großteil um Familienbetriebe handelt. Und die werden meist partnerschaftlich geführt oder aber sind ohne das Zubrot und die Erledigung der Sorgearbeit durch die Frauen kaum denkbar.

 

Weitere Informationen und Interviews mit Frauen aus der Bio-Branche finden Sie in einem Artikel der Zeitschrift Schrot & Korn.

Frauenprodukte haben ihren Preis. Männerprodukte auch – kosten aber weniger

Ende vergangenen Jahres veröffentlichte die Stadt New York eine Studie, in der sie geschlechterspezifische Produktpolitik untersuchte.

Für die Studie "From Cradle to Cane: The Cost of Being a Female Consumer" wurden 800 Produkte, die spezifisch für Männer und Frauen in unterschiedlichen Versionen angeboten werden, verglichen. Die Studie wurde in Läden in New York durchgeführt, insgesamt wurden 90 Marken unter Augenschein genommen.

 

Gezeigt hat sich, dass es teilweise enorme Preisunterschiede gibt. Bei 42% der untersuchten Produkte war die Version, die speziell an Frauen vermarktet wurde, teurer. In 18% der Fälle das Produkt für Männer. So kostet Shampoo für Frauen im Durchschnitt 45% mehr als Shampoo für Männer. Zwischen Kleidung für Frauen und Männer beträgt der Unterschied im Durchschnitt 8%.

Sogar noch dramatischer sind die Preisunterschiede bei Kinderprodukten. Ein Roller, der vollkommen identisch war, nur einmal rot speziell für Jungen und einmal in rosa speziell für Mädchen vermarktet wurde, kostete in der Version für Jungen 25USD und in der für Mädchen das Doppelte nämlich 50USD.

 

Ganz davon abgesehen, dass die geschlechtsspezifische Vermarktung von Spielzeug und gleichen Produkten problematisch ist, weil Menschen von Kindesbeinen an in konventionelle Geschlechterrollen gezwängt werden und diese reproduzieren, zeigt die Studie sehr deutlich, dass weibliche Konsumentinnen im Vergleich zu männlichen und trotz des Gender Pay Gaps höhere finanzielle Belastungen haben. Das sei halt Marktwirtschaft und durch Angebot und Nachfrage geregelt, argumentierten die Hersteller.

 

Die gesamte Studie ist hier online verfügbar.

She Figures – mehr Frauen in der Forschung aber immer noch zu wenig Genderforschung

Alle drei Jahre veröffentlicht die Europäische Kommission die Studie She Figures, für die sie unterschiedliche Dimensionen der Geschlechtergerechtigkeit in der Forschung in den EU-Mitgliedsstaaten untersucht. Die She Figures 2015 wurde nun veröffentlicht und liefern interessante Ergebnisse.

 

Obwohl europaweit immer mehr Frauen höhere Bildungsabschlüsse erlangen, waren 2015 nur ein Drittel der Beschäftigten in den Bereichen Forschung und Innovation Frauen. Hier besteht nach wie vor Bedarf, die Hürden für Frauen in der Wissenschaft zu beseitigen.

 

Erstmals wurde auch die Berücksichtigung von Genderaspekten in wissenschaftlichen Artikeln analysiert. Insgesamt finden Genderdimensionen in der Forschung zunehmend Berücksichtigung. Der Anteil wissenschaftlicher Publikationen, die Gender auf der inhaltlichen Ebene einbeziehen, wurde für jeden EU-Mitgliedsstaat für die Zeiträume 2002-2005 und 2010-2013 disaggregiert nach wissenschaftlicher Disziplinen erhoben. Wenig erstaunlich ist, dass der Anteil von gender-berücksichtigenden wissenschaftlichen Publikationen in den Sozialwissenschaften am höchsten ist. Hier betrug der Anteil im Zeitraum 2010-2013 6%. Im Vergleich dazu lag er in den Geisteswissenschaften und der Medizin bei 3%. In den Agrar-, Ingenieurs- und Naturwissenschaften fehlten dagegen wissenschaftliche Publikationen mit Genderbezug ganz oder waren zahlenmäßig äußerst gering.

Ebensowenig überraschen ist, dass in den nordischen Ländern, also Dänemark, Finnland, Schweden, Island und Norwegen die Zahlen am höchsten ausfielen. Deutschland hingegen befindet sich unter dem EU-28 Durchschnitt.

 

Die Studie zeigt, dass weiterhin ein großer Bedarf an Förderung von Forschung mit dezidiertem Genderbezug besteht. Die gesamte She Figures 2015 Studie ist hier verfügbar.

Maskulinität und Klimawandel

Lange drehten sich wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit und politische Debatten über Gender und Klimawandel um die Betroffenheit, die Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten oder um die Präferenzen und Bedürfnisse von Frauen – in der Regel im Vergleich zu Männern. Lange Zeit mangelte es an einer Auseinandersetzung mit der Situation von Männern und hegemonialen Männlichkeitsbildern in diesem Kontext. Nun endlich gibt es erste Schritte, diesen blinden Fleck aufzudecken.

Ein Beispiel ist Martin Hultmann von der Linköping Universität in Schweden, den wir als Referenten für unsere Tagung "Klima braucht Wandel: Potenziale der Genderforschung nutzen" eingeladen hatten. Seine Forschung zu 'Maskulinität und Klimawandel' ist ein erster Schritt, um die klaffende Lücke in der Forschungslandschaft zu Gender und Klimawandel zu schließen.

 

Als Einstieg in das Thema empfehlen wir seinen Artikel Green Men? Exploring Industrial-, Ecological-, and Ecomodern Masculinity, in dem er drei unterschiedliche Konzepte von Maskulinität untersucht und beschreibt.

Geschlechtergerechtigkeit und Klimafinanzierung – Eine neue OECD Studie

Im Vorfeld der Klimakonferenz in Paris hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erhoben, inwiefern die Mitgliedsstaaten des Ausschusses für Entwicklungshilfe Geschlechtergerechtigkeit in ihre bilateralen Hilfsprojekte im Klimabereich integrieren. Die Untersuchung hat gezeigt, dass im Jahr 2013 29% der Mitgliedsstaaten Geschlechtergerechtigkeit in ihre klimawandelrelevanten Entwicklungshilfeprojekte einbezogen und zwar in einem Umfang von 6,9 Milliarden USD. Geschlechtergerechtigkeit war allerdings nur bei 3% der Hilfsprojekte primäres und bei 26% zweitrangiges Ziel. Nicht verwunderlich ist, dass es sich bei einem Großteil der Projekte (46%), die Geschlechtergerechtigkeit adressierten, um Projekte zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels handelte. Nur 19% der Projekte mit Genderbezug fielen in den Bereich des Klimaschutzes, also der Verminderung der Ursachen des Klimawandels. Die meisten Hilfsprojekte mit Genderbezug adressierten die Themenfelder Wasser und Landwirtschaft. Nur 11% der Projekte mit im Energiebereich und 12% der Projekte zum Thema Transport adressierten Geschlechtergerechtigkeit.

 

Die OECD ruft in ihrer Publikation die Mitgliedsstaaten dazu auf, ihre Anstrengungen weiter zu verstärken und Geschlechtergerechtigkeit in alle Aspekte ihre klimabezogenen Aktivitäten zu integrieren. Sie betont dabei die wichtige Rolle, die Geschlechtergerechtigkeit für eine nachhaltige Entwicklung spielt.

 

Die gesamte Studie ist hier verfügbar.

Gender und Migration in Zeiten des Klimawandels – Eine Auseinandersetzung mit einer hochaktuellen, aber wenig erforschten Herausforderung

Das Thema Migration steht aktuell im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Neben Kriegen und bewaffneten Auseinandersetzungen führt auch der Klimawandel dazu, dass Menschen ihre Lebensgrundlagen verlieren und innerhalb ihres Landes umziehen oder in ein anderes Land immigrieren müssen. Folgen des Klimawandels wie Wasserknappheit, der Anstieg des Meeresspiegels und Dürre werden in den kommenden Jahren immer mehr Menschen zur Migration zwingen.

 

Die United Nations University in Bonn hat sich nun den Genderdimensionen von Migration im Kontext des Klimawandels gewidmet. In einem spannenden Artikel wird aufgezeigt, wie Frauen und Männer Migration unterschiedlich erleben und worin sich ihre Migrationsbewegungen und –motivationen unterscheiden. Es wird außerdem betont, wie Geschlechterungerechtigkeiten die Möglichkeiten einer Familie sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen begrenzen, die Abwesenheit der Männer aufgrund saisonaler Arbeitsmigration die Rolle von Frauen in der Familie und Gemeinschaft aber auch stärken kann.

 

Den Artikel der Universität Bonn können Sie hier (auf Englisch) lesen. 

Weitere Informationen zum komplexen Zusammenhang von Gender, Klimawandel und Migration finden Sie auf der Webseite von GenderCC.

Vorstellung des "Blogs zur Klimadebatte" von Sybille Bauriedl

An dieser Stelle möchten wir Sie auf einen interessanten Blog zur Klimadebatte aufmerksam machen, der im Dezember letzen Jahres von Sybille Bauriedl ins Leben gerufen wurde: Blog zur Klimadebatte – Kritik der Schlüsselbegriffe internationaler Klimapolitik und Klimaforschung

Sybille Bauriedl ist promovierte Geographin an der Universität Bonn, Expertin zum komplexen Thema Geschlechtergerechtigkeit und Klimawandel und hat als Referentin bei unserer Tagung im März Impulse gesetzt. Ihr Blog umfasst eine kritische Kommentierung aktueller Debatten in der Klimapolitik und -forschung. Sehr lesenswert!

Zum Weiterlesen

Urbanization and global environmental change: from a gender and equity perspective

Von Gotelind Alber und Kate Cahoon (2016)

Gotelind Alber und Kate Cahoon von GenderCC – Women for Climate Justice e.V. haben ein Kapitel zur Genderperspektive bei der Urbanisierung und globalen Umweltveränderungen zum frisch erschienenen "The Routledge Handbook of Urbanization and Global Environmental Change" beigetragen, das von Karen C. Seto, William D. Solecki und Corrie A. Griffith herausgegeben wurde. Darin erläutern sie die Zusammenhänge von Klimawandel, Geschlechterverhältnissen und Urbanisierung und zeigen auf, wie sozial und geschlechtergerechte urbane Klimapolitik gestaltet werden kann.

Weitere Informationen

 

Women, energy and economic empowerment. Applying a gender lens to amplify the impact of energy access

Von Deloitte University Press (2015)

Diese Publikation beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Zugang zu Energie und dem wirtschaftlichen Empowerment von Frauen. Es wird thematisiert, unter welchen Vorraussetzungen Geschlechterungleichheiten mit dem Zugang zu Energie abnehmen und wie Entwicklungsprojekte im Energiebereich gestaltet werden müssen, um Frauen zu nutzen und ihren Bedürfnissen zu entsprechen.

Die Publikation ist hier verfügbar.

 

Achieving climate objectives in transport policy by including women and challenging gender norms – the Swedish case

Von Annica Kronsell, Lena Smidfelt Rosqvist und Lena Winslott Hiselius (2015)

Dieser Artikel befasst sich mit der Frage, ob und wie Frauen den Verkehrssektor nachhaltiger gestalten können. Ausgehend vom Beispiel Schweden wird gezeigt, dass Frauen nach wie vor umweltfreundlicher mobil sind als Männer und höhere Ansprüche an die Nachhaltigkeit des Transportsektors haben. Die Autorinnen betonen, dass Frauen wichtige Multiplikatorinnen sind, wenn es darum geht, den Transportsektor nachhaltiger zu gestalten und die Ausrichtungen an der männlichen Norm in diesem Sektor zu durchbrechen. Es werden konkrete politische Maßnahmen vorgestellt, wie die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen an Entscheidungen im Mobilitätsbereich gestärkt und unterschiedliche Mobilitätsgewohnheiten und -bedürfnisse besser Berücksichtigung finden können.

Der Artikel kann hier heruntergeladen werden. 

 

Women and Chemicals. The impact of hazardous chemicals on women

Von Women in Europe for a Common Future (WECF) (2016)

Dieser Studie zeigt auf, wie konventionelle Geschlechterrollen zu einer höheren Belastung von Frauen mit gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalien führen. Sie wirft ein Licht darauf, wie Chemikalien, z.B. Pestizide, Quecksilber und endokrine Disruptoren die Gesundheit von Frauen beeinträchtigen und pocht auf eine strengere Regulierung umwelt- und gesundheitsschädlicher Substanzen und/oder diese völlig vom Markt zu nehmen.

Die Studie ist hier verfügbar.

Veranstaltungen

Frauenkarrieren in der Energiewende

Im Rahmen der Berliner Energietage 2016 organisieren Women of Wind Energy Berlin, der Berliner Frauenenergiestammtisch (FESt), Frauen im Handwerk und Hypatia am 12. April von 17:30 – 20:30 Uhr eine Veranstaltung mit dem Titel "Frauenkarrieren in der Energiewende".

Bei der Veranstaltung diskutieren Akteurinnen der Energiebranche darüber, welche Anforderungen die Energiewende an Fachkräfte stellt, welche Art von Jobs eigentlich entstehen und wie sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Frauen aus den oben genannten und weiteren Netzwerken werden sich vorstellen und in einer offenen Gesprächsrunde mit den Teilnehmerinnen über Frauenkarrieren im Kontext der Energiewende diskutieren.

Weitere Informationen

 

SAVE THE DATE - Konferenz "Mit uns die Zukunft: Nachhaltige Transformationen brauchen andere Geschlechterverhältnisse"

Die Konferenz findet am 11. und 12. Juli 2016 an der Leuphana Universität Lüneburg statt. Sie ist Teil des Verbundvorhabens "Vorsorgendes Wirtschaften: Transformationen in Ökonomie und Politik (TraVo)" des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH und des Instituts für Nachhaltigkeitssteuerung der Leuphana Universität. Ziel der Konferenz ist es, die Ergebnisse des Verbundvorhabens zu diskutieren und über Handlungsansätze zur gendersensiblen Gestaltung einer Transformation zur Nachhaltigkeit ins Gespräch zu kommen.

Save the Date

Zum Schluss was zum Genießen: Schauspieler_innen rezitieren Gedichte über den Klimawandel

Im Vorfeld der Klimakonferenz in Paris bat The Guardian berühmte Schauspieler_innen wie James Franco, Ruth Wilson und Gabriel Byrne 21 Gedichte über den Klimawandel zu rezitieren.

Die Gedichte können Sie hier anhören und genießen (auf Englisch).

 

 

Impressum

genanet - Leitstelle Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit

c/o GenderCC - Women for Climate Justice e.V.

Anklamer Str. 38

10115 Berlin

Redaktion: Ulrike Röhr & Lisa Göldner

leitstelle@genanet.de

www.genanet.de

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