NEWSLETTER

genaNews August 2015

Liebe Leserinnen und Leser,

 

große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: die Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die Ende diesen Jahres in Paris stattfindet und die mit der Verabschiedung eines neuen Abkommens dem Klimawandel Einhalt gebieten will, beschäftigt uns stark. Deshalb möchten wir schon an dieser Stelle alle Leser_innen dezidiert auffordern, sich an den Aktionen für Klimagerechtigkeit (siehe den Women's Global Call for Climate Justice) zu beteiligen. Nur wenn wir alle deutlich machen, dass die Politik endlich Schluss machen muss mit der Taktiererei, dass endlich die Menschen und das Leben auf dem Planeten über wirtschaftliche Interessen gestellt werden, wird eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf ein verkraftbares Ausmaß möglich sein.

 

Die sommerliche Hitze fordert auch bei uns ihren Tribut. Wir berichten in den genaNews diesmal (fast) ausschließlich über Aktivitäten im Bereich Klima und Energie. Andere Themen, wie zum Beispiel die im September zur Verabschiedung anstehenden nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals) und ihre Umsetzung in Deutschland sind dabei auf der Strecke geblieben. Wir werden in der nächsten Ausgabe berichten.

 

Bis dahin wünschen wir Ihnen weiterhin einen schönen Sommer und viel Spaß beim Lesen

 

Ulrike Röhr, Nanna Birk, Lisa Göldner

Inhalt

GenderNETCLIM – Kompetenznetzwerk Chancengerechtigkeit im Klimawandel

Neues Projekt fördert die Vernetzung von Forscher_innen und Praktiker_innen


Women’s Global Call for Climate Justice

Globaler Aufruf von Frauen für Klimagerechtigkeit

 

Mit großen Schritten nach Paris

Unsere Aktivitäten im Vorfeld der nächsten UN-Klimakonferenz

 

Doing Sustainable Economy at the Crossroads of Gender, Care and the Green Economy.

Englische Zusammenfassung der CaGE Texte und Empfehlungen erschienen

 

Gender und kommunale Klimapolitik

Handbuch gibt Akteur_innen Maßnahmen und Instrumente an die Hand

 

Umweltbewusstseinsstudie 2014

Geschlechterunterschiede halten sich beharrlich

 

Geschlechtsspezifische Auswirkungen der Energiewende in Südwestfalen

Ergebnisse des Forschungsprojekts veröffentlicht

 

Zum Weiterlesen

Neue Publikationen

 

Call for Papers

 

Veranstaltungen

 

Impressum

 

An- und Abmeldung Newsletter

GenderNETCLIM – Kompetenznetzwerk Chancengerechtigkeit im Klimawandel

Im April wurde vom artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit GenderCC – Women for Climate Justice e.V. das vom BMBF geförderte Projekt „GenderNETCLIM – Kompetenznetzwerk Chancengerechtigkeit im Klimawandel“ gestartet.

 

Mit GenderNETCLIM soll ein Beitrag für die Integration von Chancengerechtigkeit in Strategien zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel geleistet werden. Dafür sollen Erkenntnisse der Gender Studies nutzbar gemacht sowie die bundesweite Vernetzung von Wissenschaftlerlinnen in Klimaforschung, Klimaschutz und Klimaanpassung gefördert werden.

 

Eine Vielzahl von Aktiviäten sollen in der nur einjährigen Projektlaufzeit zu diesem Ziel beitragen: verschiedene Praxis-Workshops, der Aufbau eines bundesweites Kompetenz- und Expert_innen-Netzwerks, eine interaktive Kommunikationsplattform sowie ein Leitfaden zur Umsetzung von Chancengerechtigkeit in dem Handlungsfeld Klimawandel.

 

Der erste Workshop wurde bereits in Potsdam durchgeführt. Der zweite Praxis-Workshop „Umsetzung von Chancengerechtigkeit in Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen“ findet am 15. Oktober 2015 in Kassel statt; Anmeldungen bitte per E-Mail an Melanie Böckmann. Für den 12. November 2015 ist ein Expert_innen Workshop „Strategien zur Gewinnung von weiblichen Fachkräften und Nachwuchswissenschaftler_innen für Klimaforschung, Klimaschutz und Klimaanpassung“ in Bremen geplant.

 

Schon jetzt möchten wir Sie auf die Abschlusstagung hinzuweisen, bei der Sie am 1. März 2016 in Berlin mit uns und nationalen und internationalen Expert_innen diskutieren können, wie Klimaschutz und Klimaanpassung (geschlechter-) gerecht gestaltet werden können.

 

Die interaktive Projekt-Kommunikationsplattform ist bereits online. Dort finden Sie Hintergrundinformationen zum Projekt, Antworten auf häufig gestellte Fragen, Argumente sowie Zahlen und Fakten zum Themenkomplex Gender & Klimawandel, eine umfangreiche und aktuelle Literatursammlung. Außerdem bietet die Plattform die Möglichkeit, Fragen zu stellen und miteinander zu diskutieren.

Globaler Aufruf von Frauen für Klimagerechtigkeit

Die UN-Klimakonferenz in Paris rückt näher, ein Abkommen mit engagierten CO2-Einsparungszielen der Industrieländer, mit der Anerkennung internationaler Gerechtigkeit mit entsprechenden Prinzipien wie (Geschlechter-) Gerechtigkeit leider noch nicht.

 

Frauenorganisationen auf der ganzen Welt reicht es jetzt. Sie fordern Klimagerechtigkeit und mehr Engagement. Gemeinsam haben sie den internationalen Aufruf „Women’s Global Call for Climate Justice“ ins Leben gerufen und wollen damit auf der ganzen Welt Menschen mobilisieren, im Vorfeld der Klimakonferenz in Paris ihre Stimmen zu erheben, öffentlichkeitswirksame Aktionen durchzuführen und so noch einmal massiv Druck auf politische Entscheidungsträger_innen auszuüben. Auch GenderCC und LIFE e.V. sind Teil des Organisationsteams dieser internationalen Kampagne. Wir rufen alle Frauen und Mädchen und ihre Verbündeten auf, uns bei diesem Anliegen zu unterstützen und bei der Kampagne mitzumachen. Offizieller Startschuss war der 1. Juli. Mit sechs Aktionen zu sechs Themen sollen in den verbleibenden sechs Monaten bis zur UN-Klimakonferenz unsere Forderungen sichtbar gemacht werden. Die einzelnen Aktionen - ob zu Hause, in der Nachbarschaft, in öffentlichen Gebäuden, am Arbeitsplatz oder wo auch immer werden dann auf der gemeinsame Webseite veröffentlicht. Unterstützen Sie unsere Kampagne, verbreiten Sie den Aufruf - die deutsche Version ist hier erhältlich, weitere Infos erhalten Sie auf der internationalen Webseite.

Mit großen Schritten zur UN-Klimakonferenz nach Paris

Vom 1. bis 11. Juni 2015 waren wir wieder als Beobachterinnen bei den UN-Klimaverhandlungen (SB 42) in Bonn. Die Verhandlungen waren eine wichtige Etappe mit Blick auf ein neues Klimaabkommen, das Ende diesen Jahres bei der Vertragsstaatenkonferenz zur Klimarahmenkonvention (COP21) in Paris auf den Weg gebracht werden soll.

Gemeinsam mit WEDO haben GenderCC und LIFE e.V. am 4. Juni 2015 ein Side Event zum Thema „Women’s Perspectives on Just Climate Policy: COP21 and Beyond” veranstaltet. Die Podiumsteilnehmerinnen stellten regionale Perspektiven einer geschlechtergerechten Klimapolitik sowie notwendige Maßnahmen vor.

Die Diskussion basierte auf den Positionen und Forderungen, die die Women and Gender Constituency mit Blick auf die COP21 in einem Positionspapier veröffentlicht hat. Darin wird festgestellt, dass ein gerechtes und gender-sensibles Klimaabkommen zwar verschiedene Formen annehmen kann, aber zwingend die Achtung und Förderung der Menschenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter respektieren und fördern muss. Eine verpflichtende Überprüfung aller Maßnahmen bezüglich der Auswirkungen auf Gleichstellung und Menschenrechte muss ebenso sichergestellt ein, wie ein geschlechtergerechter Zugang zu Entscheidungsprozessen und gerechter Vorteilsausgleich durch entsprechende Umsetzungsinstrumente (gender-responsive means of implementation). Das 9-seitige Positionspapier können Sie hier in Englisch herunterladen.

 

Im Rahmen der Verhandlungen fand am 8. und 9. Juni erstmalig ein "In-Session Workshop on Gender-Responsive Climate Policy" statt. Der Workshop war Bestandteil und wichtige Voraussetzung für die Umsetzung des 2014 verabschiedeten "Lima Work Programme on Gender" und wurde vom UN-Klimasekretariat organisiert und durchgeführt. Obwohl der Workshop ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung war und der Dringlichkeit, Geschlechtergerechtigkeit in die internationale Klimapolitik zu integrieren nachkam, war der Workshop aus feministischer Sicht eine große Enttäuschung. Die präsentierten Inhalte und die Diskussion entsprachen nicht dem aktuellen Stand der Forschung, Debatten und Praxis und die Notwendigkeit, die Geschlechterverhältnisse strukturell zu verändern, wurde so gut wie gar nicht angesprochen.

Als Reaktion haben GenderCC und LIFE e.V. eine gemeinsame Stellungnahme zum Workshop verfasst. Im Dezember werden wir an der COP21 in Paris teilnehmen und uns dort, wie auch auf den Vorbereitungstreffen im August und Oktober in Bonn für ein starkes Klimaabkommen einsetzen, in dem Genderaspekte fest verankert sind.

Doing Sustainable Economy at the Crossroads of Gender, Care and the Green Economy. Debates – Common Ground – Blind Spots.

So lautet der Titel der englischsprachigen Publikation zum Thema Care, Gender und Green Economy. Damit wollen wir eine Verbreitung unserer Projektergebnisse über den deutschsprachigen Raum hinaus ermöglichen.

Der Text soll einen Beitrag zur wichtigen Vernetzung mit Wissenschaftler_innen in Europa leisten und auch zur internationalen Debatte beitragen. Das Arbeitspapier des abgeschlossenen Projektes „Care, Gender & Green Economy. Forschungsperspektiven und Chancengerechtigkeit nachhaltigen Wirtschaftens (CaGE) umfasst die Übersetzung des CaGE-Textes 1, ergänzt durch die Empfehlungen aus dem CaGE-Text 3. Die Publikation kann hier heruntergeladen werden.

Neues Handbuch zu Gender und kommunaler Klimapolitik

Gemeinsam mit UN Habitat und der GIZ hat GenderCC ein Handbuch zu gendersensibler kommunaler Klimapolitik veröffentlicht. Autorin ist Gotelind Alber von GenderCC.

Obwohl die Notwendigkeit, Genderaspekte in der Klimapolitik zu berücksichtigen, immer mehr Zuspruch findet, sind sich die meisten Kommunen nicht bewusst, dass sich klimapolitische Maßnahmen unterschiedlich auf Frauen und Männer auswirken. Das Handbuch „Gender and Urban Climate Policy - Gender-Sensitive Policies Make a Difference“ gibt Akteur_innen konkrete Maßnahmen und Instrumente an die Hand, wie die Genderdimensionen des Klimawandels in der kommunalen Klimapolitik berücksichtigt werden können. Darüber hinaus soll es Frauenorganisationen und andere zivilgesellschaftliche Gruppen dabei unterstützen, sich in die kommunale Klimapolitik einzumischen und gendersensible Ansätze voranzubringen. Der Fokus des Handbuches liegt auf Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommensniveau. Das Handbuch ist hier online verfügbar (auf Englisch). Falls Sie eine Print-Version haben wollen, können Sie uns eine E-Mail schreiben.

 

An dieser Stelle auch ein Hinweis auf die "International Conference on Climate Action. Local Governments Driving Transformation", die am 1. und 2. Oktober in Hannover stattfindet. Die Genderdimension wird hier in verschiedenen Workshops angesprochen werden.

Umweltbewusstseinsstudie 2014: Geschlechterunterschiede halten sich beharrlich

Im März 2015 veröffentlichte das Umweltbundesamt die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage „Umweltbewusstsein in Deutschland 2014“. Insgesamt zeigt die Studie, dass das Umweltbewusstsein in Deutschland weiter zunimmt. 63% der Befragten gaben an, dass „sie den Umwelt- und Klimaschutz für eine grundlegende Bedingung zur Bewältigung von Zukunftsaufgaben wie beispielsweise die Globalisierung halten“. 2012 waren es nur 40%, die dieser Aussage zustimmten. Interessant ist auch, dass die Skepsis gegenüber der Vereinbarkeit von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz zunimmt. 76% der Befragten lehnen es beispielsweise ab „den Erfordernissen des Wirtschaftswachstums gegenüber Belangen der Umwelt generell Priorität einzuräumen“.

 

Ferner bestätigt die Studie erneut die bereits bekannten Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinsichtlich des Umweltbewusstseins und der nachhaltigen Lebensweise. Deutliche Unterschiede zeigten sich z.B. beim Kauf von Bio-Lebensmitteln und beim Fleischkonsum: Frauen sind in der Gruppe der Bio-Käufer_innen und der Gruppe derer, die angaben nie oder sehr selten Fleisch zu essen, überdurchschnittlich oft vertreten. Mehr Frauen als Männer gaben an, dass Blauer Engel und das Fairtrade-Siegel Einfluss auf ihr Kaufverhalten haben. Außerdem kaufen Frauen überdurchschnittlich oft umweltschonende Reinigungsmittel, Körperpflegeprodukte und Kleidung. Männer interessieren sich hingegen öfter für ökologisch und sozial nachhaltige Geldanlagen – ganz entsprechend der dominanten Geschlechterrollen.

 

Ebenso sind Unterschiede im Mobilitätsverhalten unverändert geblieben: Noch immer werden öffentliche Verkehrsmittel in erster Linie von Frauen, jüngeren Menschen und Menschen mit geringerem Einkommen genutzt. Neben dem genderspezifischen Konsumverhalten bestätigt die Studie erneut die Beobachtung, dass die Wahrnehmung der Risiken und die Reaktionen auf die Gefahren des Klimawandels zwischen den Geschlechtern unterschiedlich sind. Während der Anteil derer, die Vorsorge für die Folgen des Klimawandels treffen insgesamt angestiegen ist, bekannten sich Frauen häufiger als Männer zur Nutzung von Warn- und Informationsdiensten und zu Verhaltensanpassungen in Urlaub und Freizeit. 

Geschlechtsspezifische Auswirkungen der Energiewende in Südwestfalen

Im September 2013 berichteten wir in unserem Newsletter über ein Forschungsprojekt der Universität Siegen, das sich mit geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Energiewende in Südwestfalen auseinandersetzt. Das Projekt ist nun abgeschlossen und die Ergebnisse liegen vor. Sie wurden von der Projektleiterin Cornelia Fraune im Artikel „Gender matters: Women, renewable energy, and citizen participation in Germany“ veröffentlicht. Der Artikel zeigt auf, dass der soziale, kulturelle und politische Kontext entscheidend für die Beteiligung von Bürger_innen am Ausbau der erneuerbaren Energien ist und sich dementsprechend Männer und Frauen in unterschiedlichem Maße an Bürgerenergie-Anlagen beteiligen.

 

Laut der Studie sind im Schnitt 20% der Beteiligten an Windenergieanlagen weiblich, bei Solaranlagen liegt dieser Anteil im Durchschnitt bei 30%. Bei der durchschnittlichen finanziellen Beteiligung an Anlagen ist kein wesentlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern festzustellen. Dagegen liegt die Geschäftsführung dieser Anlagen vorrangig in den Händen von Männern. Mehr Informationen zum Projekt hier.

 

Der Artikel „Gender matters: Women, renewable energy, and citizen participation“ von Dr. Cornelia Fraune ist online verfügbar.

Zum Weiterlesen

Klimawandel und Geschlecht - Zur politischen Ökologie der Anpassung in Mexiko

Von Sarah Hackfort

Im Juni 2015 ist die Dissertation unserer ehemaligen Kollegin im Projekt Care, Gender und Green Economy (CaGE), Sarah Hackfort, veröffentlicht worden. Anhand einer qualitativ empirischen Fallstudie zu Mexiko hat sie analysiert, welche Bedeutung Gender für die Anpassungsfähigkeit an die Folgen des Klimawandels zukommt und welche Rolle dabei andere strukturelle Ungleichheiten, symbolische Repräsentationen und Identitäten spielen. Die Studie zielt auf ein vertieftes analytisches Verständnis der komplexen Konstitutionsbedingungen und der intersektionalen Bedeutung von Geschlecht für den Umgang mit Klimawandel. Wir gratulieren Sarah Hackfort zur erfolgreichen Promotion!

Das Buch „Klimawandel und Geschlecht - Zur politischen Ökologie der Anpassung in Mexiko“ ist beim Nomos Verlag.

 

BRIDGE Cutting Edge Pack on Gender and Food Security

Im Januar 2015 ist das BRIDGE Cutting Edge Pack on Gender and Food Security erschienen, das für eine neue, gendersensible Sicht auf das Thema Ernährungssicherheit plädiert. Argumentiert wird, dass eine einseitige, unpolitische und genderblinde Auseinandersetzung mit der Thematik nur unzureichende politische Antworten hervorbringt und es unmöglich macht, das Recht auf Nahrung für alle Menschen umzusetzen. Es wird eine Vision von einer Nahrungsmittelproduktion bzw. -politik präsentiert, die sowohl das Recht auf Nahrung wie auch Geschlechtergerechtigkeit ins Zentrum aller Maßnahmen setzt. Anhand von zwei Fallbeispielen aus Indien werden Ansätze vorgestellt, die eine Transformation der Geschlechterrollen ermöglichen. Das BRIDGE Cutting Edge Pack on Gender and Food Security besteht aus einem In Brief in Englisch, Französisch und Spanisch und einem Gesamtbericht (in Englisch).

 

Wirtschaft ist Care

Von Ina Praetorius

Im Februar 2015 hat die Heinrich-Böll-Stiftung die Publikation “Wirtschaft ist Care oder: Die Wiederentdeckung des Selbstverständlichen” von Ina Praetorius veröffentlicht. In diesem Essay unternimmt die Autorin „eine Reise durch die Ideengeschichte des Abendlandes und zeigt die tiefe Verwurzelung einer ungerechten, zweigeteilten Ordnung in unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsorganisation.“ Sie geht der Frage nach, weswegen reproduktive Arbeit, die immer noch in erster Linie (unbezahlt) von Frauen geleistet wird, in den Wirtschaftswissenschaften kaum Beachtung findet und welche Folgen das nach sich zieht.

Einzelne Kapitel des Essays beschäftigen sich zudem mit den Zusammenhängen von Care-Arbeit und Umweltschutz, z.B. die Kapitel Queer Ecology und Ökologische Sozialpolitik. Laden Sie die Publikation hier runter.

 

Tierisch Bürgerlich. Musealisierung von Geschlecht und Natur in Regionalmuseen

Von Smilla Ebeling

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Neue Heimatmuseen als Institutionen der Wissensproduktion“ der Universität Oldenburg hat Smilla Ebeling einen Artikel mit dem Titel „Tierisch bürgerlich. Musealisierung von Natur und Geschlecht in Regionalmuseen“ in der Zeitschrift für Geschlechterforschung und Visuelle Kultur veröffentlicht. Darin diskutiert sie, inwiefern Naturdarstellungen in Heimatmuseen heteronormative gesellschaftliche Strukturen und traditionelle Geschlechterrollen widerspiegeln und reproduzieren. Sie stellt dar, wie aktuelle Geschlechterdiskurse und Erkenntnisse der Gender Studies in Darstellungen von Natur in Heimatmuseen berücksichtigt werden können. Der Artikel präsentiert auf spannende Art, wie Wissen über Geschlecht in museale Präsentationen einfließt und von diesen weitergegeben wird. Der Artikel ist hier online verfügbar.

 

Women, E-Waste and Technical Solutions to Climate Change

Von Lucy McAllister, Amanda Magee und Benjamin Hale

In der aktuellen klimapolitischen Debatte spielen technische Lösungen wie die Erneuerbaren Energien, Geo-Engineering und Anpassungs-Technologien eine besonders wichtige Rolle. Laut eines 2014 im Health and Human Rights Journal veröffentlichten Artikels von Lucy McAllister, Amanda Magee und Benjamin Hale gibt es jedoch wenig Grund zur Euphorie. Vielmehr sei zu befürchten, dass die klimaschutzrelevanten Technologien negative Auswirkungen für Menschen und Natur nach sich ziehen. Wie alle Technologien verursachen auch diejenigen, die im Namen des Klimaschutzes entwickelt werden, Unmengen an giftigem Elektroschrott. Bereits heute werden 50-80% des weltweit anfallenden Elektroschrotts in Länder des Globalen Südens geschifft, wo sie zu einer großen Gefahr für Menschen und Umwelt werden. Die Autor_innen des Artikels argumentieren, dass die toxischen Stoffe, die in Elektroschrott enthalten sind, sich insbesondere negativ auf die Gesundheit von Frauen und Kinder auswirken. In Ländern, in denen viele arme Menschen mit dem Sammeln und Sortieren von Abfall ihren Lebensunterhalt bestreiten, sind es in aller Regel Frauen und Kinder, denen die niedrigsten Arbeiten auf den Müllhalden zugewiesen werden. Die Autor_innen kommen zu dem Schluss, dass technische Lösungen für den Klimawandel geopolitische Ungleichgewichte und soziale Ungleichheiten wie Geschlechterungerechtigkeiten weiter verschärfen können und somit keineswegs die „Wunderwaffe“ gegen den Klimawandel sind. Der Artikel kann hier heruntergeladen werden. 

Call for Papers

Gender and Food: From Production to Consumption and After

Für die 22. Ausgabe des Journals „Advances in Gender Research“, die im Herbst 2016 erscheinen wird, gibt es einen Call For Papers zum Thema „Gender and Food: From Production to Consumption and After.” Die Beiträge sollen sich mit dem Zusammenhang von Gender und Nahrung im weitesten Sinne – von der lokalen bis globalen Ebene; von der Produktion bis zum Verzehr – auseinandersetzen. Deadline für die Abstracts ist der 1. Oktober 2015. Alle weiteren Informationen sind auf der Webseite des Journals zu finden.

Veranstaltungen

Ferienakademie: STADT und LAND im FLUSS

Vom 9. bis 10. Oktober 2015 findet die Ferienakademie für Studentinnen und Wissenschaftlerinnen in Tutzing statt. Innerhalb verschiedener Workshops werden eine Reihe von Fragen adressiert: Wie kann eine sozial-ökologische Transformation von Städten aussehen, wie der Strukturwandel auf dem Land gestaltet werden? Wie machen wir unsere Verkehrs- und Kommunikationsnetze zukunftsfest? Wie gestalten wir die Energieversorgung nachhaltig und ressourcenschonend? Und: Wie werden Bürgerinnen und Bürger an diesen komplexen Prozessen beteiligt, wie können sie die politischen Entscheidungen mitgestalten?

Weitere Informationen, das Programm und Anmeldeformular finden Sie auf der Homepage der Evangelischen Akademie Tutzing.

 

Certificate of Advanced Studies Gender, Justice, Globalisation

Das Interdisziplinäre Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern führt von Februar 2016 bis März 2017 zum dritten Mal den Weiterbildungskurs Gender, Justice, Globalisation durch. In sieben Modulen werden die Teilnehmenden in einem praxisorientierten Austausch mit komplexen Prozessen der Globalisierung vertraut gemacht, die nicht nur die globale Agenda von Gerechtigkeit und Menschenrechten herausfordern, sondern auch das Geschlechterverhältnis verändern. Erneut bestreiten namhafte Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland den Kurs – so zum Beispiel Prof. Sylvia Chant von der London School of Economics, Prof. Yakin Ertürk, frühere UNO-Sonderberichterstatterin gegen Gewalt an Frauen oder Ursula Keller von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit. Anmeldeschluss ist der 4. Januar 2016 Weiterführende Informationen zum Programm, zu den Teilnahmevoraussetzungen und zur Anmeldung finden Sie hier.

Impressum

genanet - Leitstelle Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit
Anklamer Str. 38
10115 Berlin
Redaktion Ulrike Röhr
leitstelle@genanet.de
www.genanet.de

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