Seitentitel: Ernährung & Agrar
Die Oktober - Ausgabe des gen-ethischen Informationsdienst beinhaltet einen Artikel von Vandana Shiva über die Auswirkungen des Gentechnikeinsatzes auf Landwirtinnen in Indien. Unter dem Titel „Führt Gentechnik zur Befreiung der Frauen?“ nimmt sie Veränderungen für Frauen durch die Einführung von Bt-Baumwolle in den Blick und widerlegt die Behauptung von Monsanto und Co., dass Gentechnik zur Emanzipation der indischen Frauen beitrage.
Saatgutökonomie war immer eine Frauenökonomie, die auf dem Wissen und den Fähigkeiten von Frauen rund um die Zucht und den Erhalt von Saatgut aufbaute. Diese weibliche Expertise ist nun durch männliche, weiße Wissenschaftler bedroht, wodurch der gesellschaftliche Einfluss von Frauen sinkt: „Patriarchale Wissenschaft und Technologie hat das Wissen und die Produktivität der Frauen unsichtbar gemacht.“
Dabei sind Frauen die Produzentinnen von mehr als 50% der weltweiten Nahrungsmittel und leisten daher einen wichtigen Beitrag zur Nahrungsmittelsicherheit. Doch durch die vielen Bt-Baumwoll-Monokulturen in Indien verringert sich die Menge der produzierten Lebensmitteln und gefährdet somit die Ernährung gerade armer Menschen. Durch den Zwang zum Anbau von Monokulturen wird die Ernährungssouveränität von Landwirtinnen verletzte und die Preise für das Saatgut und der Einsatz von Pestiziden steigen. Die völlige Abhängigkeit und ein stetig wachsender Schuldenberg treiben viele der LandwirtInnen in Indien in den Selbstmord.
Den Artikel von Vandana Shiva finden Sie hier.
Zum Tag der Menschenrechte weist die VERBRAUCHER INITIATIVE auf die Vorteile des Fairen Handels hin. Ihr Themenschwerpunkt "Frauen & Entwicklung" auf www.oeko-fair.de stellt einige Fakten zur Situation von Frauen vor, beleuchtet ihre Bedeutung für die Welternährung und präsentiert die Frauenförderung durch den Fairen Handel.
Eine Datenbank der Welternährungsorganisation (FAO) will diejenigen Faktoren greifbar machen, die den Zugang von Frauen zu Landressourcen weltweit unterbinden. Denn leider sind geschlechtliche Unterschiede im Zugang zu Land nach wie vor auf der ganzen Welt vorhanden. Die grundlegenden Rechte von Frauen sind regelmäßig durch widersprüchliche Gesetzgebungen oder durch lange Zeit bestehende Traditionen gefährdet. Dabei wäre laut FAO und anderen ein besserer Zugang von Frauen zu Landressourcen ein wichtiger Ansatzspunkt um Hunger und Armut zu bekämpfen.
Die Datenbank der FAO beinhaltet über jeden Staat Informationen zu den sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Begebenheiten in Bezug auf Geschlechterungleichheiten bei Bodenrechten. So sind dort Auskünfte gesammelt über die jeweiligen nationalen Gesetzgebungen, über internationale Verträge und Vereinbarungen, über Bräuche und gesetzesähnliche Normen, über Bodenbesitzverhältnisse und hierauf bezogene Institutionen, über Organisationen der Zivilgesellschaft und über ausgewählte Statistiken.
Die Datenbank auf Englisch, Französisch und Spanisch findet sich hier.
Das Magazin This is Africa, eine Publikation der Financial Times zu Politik und Wirtschaft in Afrika, hat in einem Sammelband Aufsätze zu den acht Millenniumszielen herausgebracht. Zum Ziel die Geschlechtergleichheit zu fördern erschien der Artikel The world is fed on the backs of rural women. Autor dieses lesenswerten Aufsatzes ist Kanayo Nwanze, der Präsident des International Fund for Agricultural Development. Zu Beginn macht er klar, dass für ihn das Bild eines typischen Bauers eine Frau mit Baby auf dem Rücken, einer Hacke in der Hand und Feuerholz auf dem Kopf tragend ist. Dieses Bild verdeutlicht seine weitere Ausführung, dass Frauen nicht nur Landarbeiterinnen sind, sondern immer noch nebenher ihren zeitintensiven Aufgaben des Haushalts, wie dem Großziehen von Kindern, dem Sammeln von Holz und Wasser, nachkommen müssen. Trotz der vielen Arbeit sind viele von ihnen sehr arm und haben sehr viel weniger Zugang zu Vermögen, Dienstleistungen und Entscheidungsmacht wie Männer. Kanayo Nwanze warnt, dass diese Kluft zwischen den Geschlechtern dringend behoben werden muss, um den 1 Milliarde hungernden Menschen auf der Welt gerecht zu werden. Die Ernährung aller Armen und Hungernden sieht er als die große Herausforderung unserer Zeit und den Grund für den Welthunger in der beschämenden Missachtung der bäuerlichen Kleinbetriebe in den letzten zwei Jahrzehnten. Sowohl Länder des Nordens als auch des Südens investierten in technische und wirtschaftliche Entwicklung und vergaßen darüber hinaus die kleinbäuerliche Landwirtschaft. Deshalb müssen nun Frauen und Mädchen gefördert werden, da dies eine Investition in die Zukunft der ländlichen Gemeinden ist.
Anlässlich des dritten World Ocean´s Days am 8. Juni 2010 widmete sich der Newsletter von Gender & Diversity bei CGIAR (Consultative Group on International Agricultural Research) der Rolle von Frauen in der Fischerei. Der diesjährige World Ocean´s Day stand unter dem Motto „Oceans for Life“, wodurch die Wichtigkeit der Weltmeere für Klima, Biosphäre und Wasserlebewesen, aber auch für viele Menschen betont wird. Rund 150 Millionen Menschen beziehen in Entwicklungsländern ihren Lebensunterhalt durch die Fischerei. Diese sichert somit in vielen Regionen und Ländern die Lebensmittelversorgung und spielt durch die Lieferung von tierischen Proteinen einen wichtigen Beitrag zur menschlichen Gesundheit.
Frauen machen einen immer größer werdenden Anteil der Arbeitskräfte innerhalb der Fischerei aus. Zwar sind es nach wie vor überwiegend Männer, die in tiefe Gewässer ausfahren, doch auf Seen und Flüssen beteiligen sich viele Frauen unmittelbar am Fischfang. Doch vor allem bei den Vor- und Nacharbeiten der Fischerei spielen Frauen eine große Rolle: sie sind meist für das Nähen der Fangnetze verantwortlich, verarbeiten und verkaufen die gefangenen Fische. In Westafrika beispielsweise verkaufen Frauen 80% der Fische und in Vietnam sind 80% der Arbeitskräfte der Fischindustrie weiblich. Fischfang ohne Frauen wäre demnach schier unmöglich, doch wie so oft werden die Leistungen von Frauen nicht sichtbar gemacht: Diskriminierung zeigt sich im geringen Wert, der der Arbeit von Frauen beigemessen wird und die Ungleichbehandlung hält sich durch beschränkten Zugang zu Krediten und Verarbeitungstechniken aufrecht.
Der aktuelle Newsletter von Gender & Diversity enthält einige Beschreibungen von Organisationen, die sich rund um das Thema Frauen in der Fischerei beschäftigen.
Der europäische Rat für Landwirtschaft hat am 17. Mai 2010 über Möglichkeiten der Gleichstellungsförderung von Frauen und Männern in ländlichen Gebieten beraten. Grundlage der Debatte war ein Dokument des spanischen Vorsitzes, welcher die Stärkung von Landfrauen, welche in der Europäischen Union über 50 % der Landbevölkerung ausmachen, als einen Schwerpunkt seines Arbeitsprogramms sieht. Mit seinem Treffen hielt der Rat fest, dass Frauen bei der Entwicklung der Umgebung, in der sie leben und die sie schaffen, eine fundamentale Rolle spielen. Dennoch werden sie und ihre Arbeiten oft nicht gesehen und bloß gering vergütet. Chancengleichheit und die Präsenz von Frauen gelten allerdings als bestes Mittel, um die landwirtschaftliche Produktion in Ackerbau und Viehzucht am Leben zu erhalten und um den ländlichen Raum vor Abwanderung zu schützen. Daher sprachen die Ratsmitglieder über die Einbeziehung von Gleichstellungsaspekten in die Gemeinsame Agrarpolitik und prüften Möglichkeiten zur Verbesserung der Lage der Frauen. Sie thematisierten unter anderem Verbesserungsmöglichkeiten zur Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen und Förderungsmöglichkeiten zur Selbstständigkeit. Kommissar Cioloş begrüßte die Initiative der Präsidentschaft, dieses Thema aufzugreifen. Er kündigte an, dass die Kommission einen Bericht zur Gleichstellung der Geschlechter vorlegen werde.
Der Leitfaden informiert über geschlechtsspezifische Unterschiede im Essverhalten von Jugendlichen und bietet Anregungen zur nachhaltigen und geschlechtsbewussten Verbesserung von Schulverpflegung. Statistische Zahlen entnimmt der Leitfaden der vom österreichischen Lebensministerium in Auftrag gegebenen Studie „Gender- und Nachhaltigkeitsaspekte in der Schulverpflegung“. Diese belegt für einige Lebensmittel (beispielsweise Obst/Gemüse und Fleisch/Wurst) signifikante Konsumdifferenzen von Mädchen und Jungen. Es kann davon ausgegangen werden, dass Ernährung ähnlich wie auch Kleidung und Hobbys als „Geschlechtsverstärker“ genutzt wird, wodurch Jugendliche, aber auch Erwachsene, ihre Weiblichkeit oder Männlichkeit darstellen. Jedoch weisen auch die für die Schulverpflegung verantwortlichen Personen sehr geschlechtsstereotype Vorstellungen davon auf, welche Speisen für Mädchen und welche für Jungen geeignet sind und reproduzieren diese Bilder in ihren Angeboten immer wieder. Gerade diesen Menschen bietet der Leitfaden „Esskultur an Schulen – nachhaltig und gendergerecht gestalten“ Unterstützung, um ihre Zuschreibungen zu reflektieren und bei der Wahl ihrer Verpflegungsangebote verschiedenen Typen von Mädchen und Jungen bzw. die Individuen im Auge zu haben.
Der Welthunger-Index (WHI) 2009 belegt den Zusammenhang von Geschlechterungerechtigkeit und Hunger. Der WHI ist ein vom Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) entwickeltes Instrument, mit dem regelmäßig die weltweite Hunger- und Ernährungssituation berechnet wird. Die Studie macht deutlich, dass Hunger besonders dort weit verbreitet ist, wo Männer und Frauen nicht gleichberechtigt sind. Dieses Ergebnis wurde durch einen Vergleich des WHI 2009 mit dem Global Gender Gap Index von 2008 (englisch) erzielt, welcher jährlich das Ausmaß der fehlenden Gleichstellung in den Bereichen Bildung, Gesundheit, wirtschaftlicher und politischer Teilhabe weltweit misst.
Der Weltagrarbericht widmet sich auf 20 Seiten der Rolle von Frauen in der Landwirtschaft weltweit. Die Synthese des Weltagrarberichts wurde jetzt in deutscher Sprache veröffentlicht. Der Bericht des Weltagrarrats wurde in den Jahren 2003-2008 von interdisziplinär arbeitenden WissenschaftlerInnen und im Auftrag von Unesco und Weltbank erarbeitet.
Der Teilbereich zu Frauen in der Weltlandwirtschaft stellt die entscheidende Rolle von Frauen in bäuerlichen Familienbetrieben heraus und spricht von einer „Feminisierung landwirtschaftlicher Lohnarbeit“ – immerhin schwangt der Frauenanteil in der Landwirtschaft weltweit zwischen 20 und 70 %. Als Nachteile von Frauen in ländlichen Gebieten werden miserable Arbeits- und Gesundheitsbedingungen, beschränkter Bildungszugang und wenig bis gar keine Kontrolle über natürliche Ressourcen benannt und Ursachen für manche Formen der Benachteiligung im wachsenden Bedarf an flexiblen und billigen landwirtschaftlichen Arbeitskräften und in Ressourcenkonflikten gesehen.
Weitere interessante Informationen zu allen Themen des Weltagrarberichts finden sich auf der Hompage eines Projekts der Zukunftsstiftung Landwirtschaft.
Über ihre Arbeitsbereiche, Arbeitszeiten und partnerschaftliche Arbeitsverteilung befragte die Agrarsoziale Gesellschaft e.V. im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung 455 in der Landwirtschaft tätige Frauen aus Niedersachsen. „Frauen sind ein Gewinn!“ ist eine Aktualisierung der gleichnamigen Studie aus dem Jahr 2001 und zeigt deutlich Kontinuitäten und Veränderungen binnen weniger Jahre auf. So blieb die Arbeitszeit der befragten Frauen mit durchschnittlich 64 Stunden / Woche und der ihrer Partner mit 58 Wochenstunden etwa gleich. Ebenfalls zeigt die prozentuale Verteilung der Arbeitszeit auf verschiedene Tätigkeiten wenig Veränderungen zu 2001: die befragten Frauen arbeiten 55% (35 Stunden) ihrer Zeit im Haushalt, d.h. lediglich 45 % ihrer Arbeitszeit und somit 29 Stunden werden entlohnt. Dennoch gibt es starke Veränderung in den deutlich höheren Schulabschlüssen und im Anstieg von Frauen mit außerbetrieblichem Einkommen.
Der Zusammenhang von Klimawandel und Nahrungsmittelsicherheit von Landwirtinnen wurde vom 2.12.2009 -11.1.2010 von Mitgliedern des Food Security and Nutrition Forum (FSN Forum) der FAO diskutiert. Kanchan Lama von WOCAN, einem internationalen Netzwerk zur Förderung von Frauenrechten im Bereich der Landwirtschaft und natürlichen Ressourcen, leitete die Diskussion mit einigen Fragen ein. Eine Vielzahl an Menschen beteiligte sich an einer Diskussion dieser Fragen zur besonderen Rolle von Frauen in der Landwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel, zur Betroffenheit dieser Frauen durch die Folgen der globalen Erwärmung und zu den Möglichkeiten, ihre Position zu verbessern und sie im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützten.
Eine Zusammenfassung der Forumsdiskussion findet sich hier (englisch).
Diese Aussage trifft Eurostat, das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften, ersten Schätzungen für 2009 zu Folge. Eurostat benennt in einer Pressemitteilung die hauptsächliche Ursache für den starken Fall in der deutlichen Verminderung des Wertes der landwirtschaftlichen Produktion zu realen Erzeugerpreisen. In Deutschland sank das Einkommen je Arbeitskraft sogar um 21 %. Da Frauen in der Landwirtschaft, laut der Studie „Frauen sind ein Gewinn!“, lediglich 29 Stunden (45%) ihrer Arbeitszeit pro Woche vergütet bekommen und 23 davon in der Landwirtschaft tätigen (Zahlen gelten für Niedersachen), sind sie besonders von einer Minderung des Einkommens betroffen.
Frauen und Männer ernähren sich unterschiedlich. Nicht nur, dass Männer aufgrund ihrer höheren Muskel- und niedrigerer Körperfettmasse mehr Kalorien verbrauchen, sie nehmen ihre Kalorien auch mit Hilfe von anderen Lebensmitteln auf. Laut der Nationalen Verzehrstudie II essen Männer hierzulande doppelt so viel Wurst und Fleisch wie Frauen, nämlich 103g gegenüber 53g. Interessanterweise sind die Unterschiede bereits im Kindesalter vorhanden. Frauen essen wiederum mehr Obst und Gemüse, wobei die Unterschiede beim Gemüse eher gering sind – die Differenz von 20g entspricht in etwa einem Radieschen. Abgesehen von den Unterschieden der Quantität, gibt es besonders Unterschiede in der Qualität der Lebensmittel zwischen den Geschlechtern. Männer trinken weniger Kräuter- und Früchtetees, dafür aber mehr Limonade und Alkohol und sind seltener Vegetarier. Damit leben sie oft ungesünder und weniger umweltverträglich!
Kompetenzzentrum Gender und Ernährung
In der genanet Studie 8 setzt sich die Österreicherin Gertrude Klaffenböck mit den politischen Positionen zur Grünen Gentechnik aus der Geschlechterperspektive auseinander.