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Gender | Umwelt | Nachhaltigkeit

 

PRESSEMITTEILUNG ZUR ZUR VERÖFFENTLICHUNG DES DISKUSSIONSPAPIERS "GREEN ECONOMY: GENDER_GERECHT"

 

"Green Economy" - Frauenorganisationen fordern konsequentes Umdenken

 Berlin, 23. November 2011

 

Ob Finanzkrise, Klimawandel oder der Hunger in vielen Ländern der Welt: unsere Wirtschafts- und Lebensmodelle stehen auf dem Prüfstand. Eine sozial und ökologisch gerechtere Gesellschaft muss machbar sein – aber wie?

 

Fünf deutsche Frauenorganisationen fordern erstmalig in einem aktuellen Diskussionspapier, die „Green Economy“ als Lösungsansatz gesellschaftlicher Probleme um die Frauen- und Genderperspektive zu erweitern. Sie rufen insbesondere Frauen dazu auf, Stellung zu beziehen und einen nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel aktiv zu unterstützen. Das Diskussionspapier ist im Projekt „Green Economy Gender_Gerecht“ entstanden, das die Frauenorganisationen im Hinblick auf die kommende Rio+20-Konferenz der Vereinten Nationen durchführen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie Umweltbundesamt gefördert.

 

In Rio de Janeiro findet 2012 die Rio+20 statt, die UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung, die vor 20 Jahren am gleichen Ort Geschichte geschrieben hat. Ein thematischer Schwerpunkt wird das Konzept der „Green Economy“ sein – eine Wirtschaftsweise, die „menschliches Wohlergehen steigert und soziale Gerechtigkeit sicherstellt, während gleichzeitig Umweltrisiken und ökologische Knappheiten erheblich verringert werden“ (Umweltprogramm der Vereinten Nationen – UNEP 2011).

„Ein grundsätzliches Umdenken unserer Lebens- und Wirtschaftsweise ist dringend erforderlich“, erklärt Ulrike Röhr, Projektleiterin von „Green Economy Gender_Gerecht“ bei LIFE e.V. In Kooperation mit dem Deutschen Frauenrat, dem Frauenpolitischen Rat Land Brandenburg, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands kfd und dem Verband deutscher Unternehmerinnen vdu initiierte sie das Projekt, das sich vor allem einmischen möchte – in die Debatte um „Green Economy“, in der die Frauen- und Genderperspektive bislang fehlte. „So gilt es“, betont Röhr, „die überwiegend von Frauen erbrachten Fürsorge- und Vorsorgeleistungen ebenso wie die Produktivität unserer Ökosysteme als Grundlage jeglichen Wirtschaftens anzuerkennen und in das Konzept der ‚Green Economy‘ zu integrieren.“

 

Das Diskussionspapier fokussiert aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie den Rückgang natürlicher Ressourcen, den Klimawandel sowie die Finanz- und Wirtschaftskrise und betrachtet sie im Zusammenhang als Gesamtsystem. Es weist auf das Potenzial hin, das die „Green Economy“ als Lösungsansatz bietet – vorausgesetzt: das Konzept wird erweitert. Dabei wird aufgezeigt, dass sowohl eine Integration der Frauen- und Genderperspektive als auch ein konsequentes Umdenken dringend erforderlich sind.

 

Frauen werden besonders ermutigt, sich auf Grundlage des Diskussionspapiers an der Debatte um eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise zu beteiligen. Was können wir beitragen, so dass gerechter, solidarischer und umweltschonender konsumiert und produziert wird? Aber auch: Was gewinnen wir, wenn ein nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel Wirklichkeit wird?

 

Das Diskussionspapier kann hier heruntergeladen werden.

Auf der Webseite des Green Economy Projekts finden Sie nähere Informationen:

http://www.genanet.de/greeneconomy.html

 

Weitere Informationen zu Green Economy:

http://www.unep.org/greeneconomy/

 

 

Kontakt:

Green Economy Gender_Gerecht / LIFE e. V.

Ulrike Röhr

Dircksenstraße 47

10178 Berlin

Tel. 030/308798-35

roehr@life-online.de


PRESSEMITTEILUNG DER FRAUEN- UND GENDER BEOBACHTERINNENGRUPPE @ UNFCCC; BONN, 6.8.2010

 

Klimaverhandlungen sind wirkungsvoller, wenn sie von einer langfristigen Vision gelenkt werden – die soziale und Geschlechtergerechtigkeit beinhaltet

 

Bei den Klimaverhandlungen in Bonn vom 2. – 6. August 2010 haben Frauenorganisationen Christiana Figueres, der neuen Generalsekretärin des Klimasekretariats, ihre Unterstützung versichert. Bei einem Treffen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen machte Figueres deutlich, dass die Verhandlungen wesentlich wirkungsvoller wären, wenn ein Paradigmenwechsel stattfinden würde, der auf der Verantwortung für zukünftige Generationen basiert. Das menschliche Gesicht des Klimawandels müsse besser verstanden werden.

 

Wir Frauenorganisationen glauben, dass die Grundlage dieses Paradigmenwechsels ein besseres Verständnis der Geschlechteraspekte der Klimapolitik sein muss, ebenso wie eine Ana-lyse der Machtverhältnisse innerhalb von Gesellschaften und Institutionen auf allen Ebenen: lokal, regional und international. Machtverhältnisse zeigen sich zum Beispiel darin, wie ge-genwärtig bei den Verhandlungen über ‚Wälder’ diskutiert wird. Die fortwährende Zerstörung von Wäldern führt zu erheblichen CO2-Emissionen, weshalb Instrumente zur Vermeidung von Entwaldung vorgeschlagen wurden. Die Art und Weise, wie dabei Wälder definiert und durch die möglichen Instrumente behandelt werden, hat Auswirkungen auf Frauen und ihre lokalen Gemeinschaften. In einer Stellungnahme, die im Abschlussplenum der Klimaverhandlungen in Bonn vorgetragen wurde, haben Frauen ihre Befürchtungen geäußert, dass die gegenwärtige Definition von Wäldern großflächige Monokulturen forciert, die verheerende Auswirkun-gen auf die Lebenssituation von Frauen im Besondern und lokale Gemeinschaften im Allge-meinen haben. Frauen- und Genderorganisationen lehnen Anreizsysteme ab, die Ökosysteme allein auf ihren Wert als Kohlenstoffspeicher reduzieren und die wichtigen sozio-ökonomischen, kulturellen, spirituellen und ökologischen Werte von Wäldern ignorieren. Diese sind von grundlegender Bedeutung für Frauen und ihre Gemeinschaften.

 

Frauenorganisationen und Gruppen, die sich mit Geschlechterfragen befassen, wurden Ende 2009, kurz vor der Klimakonferenz in Kopenhagen, offiziell als eine eigenständige Beobach-terInnengruppe der Klimarahmenkonvention anerkannt. Die Gruppe besteht aus einer wachsenden Zahl internationaler Organisationen und Netzwerke, deren VertreterInnen sich auch weiterhin für eine ambitioniertes, gerechtes und verbindliches Klimaabkommen einsetzen, das Geschlechtergerechtigkeit als eine Grundlage berücksichtigt.

 

Zur weiteren Information: Die aktuellen Stellungnahmen sowie die bisherige Arbeit der Beo-bachterInnengruppe finden sich in englisch online unter www.gendercc.net/policy/conferences.html. Eine Auswahl der Texte wird kontinuierlich auf deutsch übersetzt und liegt unter www.genanet.de/klima.html.

 

Kontakte in Deutschland:

 

Gotelind Alber, GenderCC – Women for Climate Justice
g.alber(at)gendercc.net, www.gendercc.net

 

Ulrike Röhr, LIFE e.V. / genanet – Leitstelle Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit roehr(at)life-online.de, www.genanet.de

 

Sabine Bock, Women in Europe for a Common Future (WECF) sabine.bock(at)wecf.eu, www.wecf.eu/english/articles/2010/08/climate-women.php



PRESSEMITTEILUNG ZUM FRAUENAKTIONSTAG GEGEN ATOMENERGIE 8. MÄRZ 2010

 

Kurs halten – Frauen fordern den sofortigen Atomausstieg

 

Mehrheitlich lehnen Frauen die Atomenergie ab. Am internationalen Frauentag (8. März 2010) werden sie in verschiedenen Städten und Gemeinden diese Ablehnung öffentlich zum Ausdruck bringen. Mit Infoständen, Filmvorführungen, dem symbolischen Zerstören von Atomkraftwerken und anderen Aktionen verleihen sie ihrer Forderung nach einem schnellen Ausstieg aus der Risikotechnologie Nachdruck.

 

Die Aktionen finden in größeren Städten und kleineren Gemeinden statt – beispielsweise in Bremerhaven, Hannover oder Koblenz. Sie werden von Frauengruppen, Frauenbeauftragten oder engagierten Einzelpersonen durchgeführt. Angeregt und unterstützt wurden sie von dem vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt Frauen aktiv gegen Atomenergie. „Wir wollen mit den Aktionen deutlich machen, dass die Probleme und Gefahren der Atomenergie weiter bestehen und Frauen sich nicht von der Rhetorik der Atomkonzerne und PolitikerInnen beirren lassen“, so Mareike Korte, Koordinatorin des Projekts Frauen aktiv gegen Atomenergie, das zu dem Aktionstag aufgerufen hatte.

 

Seit August letzten Jahres bestärkt das Projekt Frauen aktiv gegen Atomenergie Frauen darin, ihre Meinung zu Atomenergie in Handeln umzusetzen. Denn 2/3 aller Frauen lehnen zwar die Atomenergie ab, an den Entscheidungen über diese und andere Energietechnologien sind sie aber kaum beteiligt.

 

Am 18.3.2010 lädt das Projekt zu einer Diskussions- und Informationsveranstaltung unter dem Motto Abschalten? Umsteigen? Wegsparen? Frauen beziehen Stellung zur Atomenergie nach Duisburg ein, um gemeinsam mit den Teilnehmenden rechtzeitig vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren.

 

Weitere Informationen unter: www.frauengegenatom.de/veranstaltungen.html

 

Kontakt:

Mareike Korte, Ulrike Röhr

Frauen aktiv gegen Atomenergie

LIFE e.V. Dircksenstr. 47

10179 Berlin

Telefon: 030-30879831 oder-35

E-Mail: roehr(at)genanet.de, korte(at)genanet.de

www.frauengegenatom.de


PRESSEMITTEILUNG 22.12.09

Frauen entmutigt durch das Ergebnis der Klimakonferenz – signalisieren aber Hoffnung und Aktionsbereitschaft für 2010

 

Das Leben von Millionen von Menschen steht auf dem Spiel, ganze Länder drohen im Ozean zu verschwinden – aber den führenden WeltpolitikerInnen gelingt es nicht, sich auf die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und auf ein gerechtes Post-Kyoto Abkommen zu verpflichten.

 

Die unter dem Aspekt „Frauen und Gender“ zusammengeschlossenen Beobachterorganisationen im Klimaprozess, WECF, GenderCC, WEDO und LIFE, sind über den Mangel an Fortschritten bei der Konferenz tief bestürzt. Frauen zählen zu den am stärksten vom Klimawandel betroffen und sind gleichzeitig wichtige Akteure des Wandels, für sie gilt, dass es keine Zeit zu verlieren gibt.

 

Der UNFCCC Exekutivsekretär Yvo de Boer bezeichnet den Gipfel von Kopenhagen als eine „Achterbahnfahrt“. Das Ergebnis ist eine rechtlich unverbindliche „Kopenhagen-Vereinbarung“, die von einer kleinen Gruppe der reichsten und mächtigsten Länder der Welt ausgehandelt wurde. Darin wird zwar festgestellt, dass die globale Erderwärmung auf 2°C begrenzt werden sollte, von einer umfassenden Einigung über den Umgang mit dem weltweit größten Problem ist man aber weit entfernt.

Die Kopenhagen-Vereinbarung fordert zwar die Industrieländer zu verbindlichen CO2-Reduktionen auf und die Entwicklungsländer sich zu engagieren, schweigt jedoch darüber, wie dies konkret geschehen soll. Wegen der Dominanz der Supermächte haben nicht alle Länder der Vereinbarung zugestimmt.

 

Mit den aktuellen Reduktionszielen wird die globale Erderwärmung weit über 2°C hinausgehen. WissenschaftlerInnen gehen sogar davon aus, dass die mangelnde Bereitschaft zum Handeln zu einem Temperaturanstieg von 3,5°C in diesem Jahrhundert führen wird. Selbst bei optimistischsten Annahmen zeigt das Ergebnis von Kopenhagen das Unvermeidliche: kleine Inseln werden verschwinden, die Weltwirtschaft und die Sicherheit der Staaten sind gefährdet, die Armut vor allem derjenigen Bevölkerungsgruppen, die jetzt schon leiden, wird weltweit zunehmen.

 

Sätze zu Frauen und Geschlechtergerechtigkeit konnten zwar in einigen Verhandlungstexten verankert werden. Sie sind jedoch bedeutungslos, wenn das Gesamtergebnis das das Leben und die Existenz der Menschen auf der ganzen Welt aufs Spiel setzt. Die bereits seit 2 Jahren eingesetzte „ad hoc Arbeitsgruppe zur langfristigen Zusammenarbeit (AWG-LCA)“ wird nun bis zur COP16 in Mexiko weiter arbeiten. „Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass die Strategien zur Erhaltung und Stärkung der gendersensiblen Textpassagen Hand in Hand gehen mit der Botschaft, dass jedes Land aktiv mitarbeiten und sich seiner Verantwortung stellen muss“.

 

Die Frauen- und Genderorganisationen drücken weiterhin ihre große Besorgnis über die mangelnde Transparenz und den restriktiven Zugang zu der Konferenz in Kopenhagen aus. Tausenden akkreditierter VertreterInnen der Zivilgesellschaft wurde der Zugang verwehrt, was als ein Zeichen der Unfähigkeit gewertet wird, die Bekämpfung des Klimawandels in einer umfassenden, gleichberechtigten, transparenten und gerechten Weise anzugehen. Vielen unserer PartnerInnen wurde der Zugang zum Bella Center verweigert. Sie wollten mit Präsentationen, Forschungsergebnissen, Dokumentationen und persönlichen Berichten zu einem guten Ergebnis der COP15 beitragen.

Mit der Verweigerung des Zugangs für die meisten VertreterInnen der Zivilggesellschaft wurden die Möglichkeiten für neue Lösungsansätze zum Klimawandel eingeschränkt, die Stimmen der Zivilgesellschaft wurden unterdrückt und viele Millionen Euro verschwendet. Eine Evaluation dieser Missstände muss umgehend eingeleitet werden, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden.

 

Gibt es denn überhaupt noch Hoffnung? Die Frauenorganisationen wollen und dürfen nicht resignieren. Den Prozess aufzugeben bedeutet Millionen von Menschen aufzugeben, deren Überleben von wirkungsvollen und rechtsverbindlichen Vereinbarungen abhängt. Wir brauchen die individuelle Bereitschaft sich für einen Wandel und für Aktionen auf der Ebene von Haushalten, Kommunen, Regionen und Nationen einzusetzen. Wir brauchen aber vor allem eine erneute Verpflichtung von führenden WeltpolitikerInnen, die den Klimaschutz nicht nur als Belastung für das BIP betrachten. Frauen sind für den Wandel bereit, wir haben uns diesem Prozess verpflichtet und sind überzeugt, dass die Bekämpfung des Klimawandels eine einzigartige Möglichkeit zum notwendigen Wandel hin zu einer nachhaltigen, kohlenstoffarmen, transparenten und gerechten Wirtschaftsweise bietet.

 

Auf internationaler und nationaler Ebene, rufen wir deshalb dazu auf:

- Den Anteil von Frauen als Leiterinnen von UNFCCC-Sitzungen zu erhöhen

- Frauen und Männer in allen Bereichen der nationalen und internationalen Klimapolitik wirkungsvoll zu beteiligen - die am meisten Verwundbaren ins Zentrum der Verhandlungen zu stellen

- geschlechtergerechte Ansätze im Entwurfspapier des Mexiko Abkommens zu stärken

- den Zugang von Frauen zu bestehenden Finanzierungsinstrumenten zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel zu verbessern.

 

Auf der individuellen Ebene - und damit in allen Aspekten unseres täglichen Lebens - rufen wir Frauen und Männer als KonsumentInnen, ErzieherInnen, AnwältInnen und AnführerInnen dazu auf:

- die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder zu schützen

- unsere Macht als KonsumentInnen zu nutzen indem wir Dienstleistungen und Produkte unterstützen, die das Klima und den Planeten schützen. Die Klimaverhandlungen haben ihr Ziel verfehlt.

Jetzt ist die Bereitschaft jeder/s Einzelne gefragt, die sich zu einer Bewegung von BürgerInnen und KonsumentInnen zusammenschließen und zu einem nachhaltigen Lebensstil verpflichten. Diese Bewegung kann die Grundlage werden für ein globales, ehrgeiziges, gerechtes und rechtsverbindliches Klimaschutzabkommen in Mexiko im nächstes Jahr. Es ist noch nicht zu spät. Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren.

 

Kontakt:

 

GenderCC, Berlin: Gotelind Alber, mailto:www.g.alber(at)gendercc.net, mobile 0151.15240802, www.gendercc.net 

LIFE e.V., Berlin: Ulrike Roehr, roehr@life-online.de, mobile 0179.2031511, www.genanet.de 

WECF, München: Sabine Bock, sabine.bock@wecf.eu, mobile 0 176 22 82 74 65 and Sascha Gabizon, sascha.gabizon@wecf.eu, mobile 0172 8637586, www.wecf.eu 

WEDO, New York: Cate Owren, cate@wedo.org and Monique Essed-Fernandes, mjessed@aol.com, www.wedo.org 



PRESSEMITTEILUNG 23.2.2009

Geld zum Spekulieren? Nein – Geld zum Leben!
genanet veröffentlicht feministische Anmerkungen zur Finanzkrise


Haben die Finanzkrise, die staatlichen Reaktionen in Form milliardenschwerer Rettungsschirme oder Konjunkturprogramme, oder die Auswirkungen der Krise auf die Gesellschaft ein Geschlecht? Wer hat die Krise verursacht, wer profitiert? Was wäre, wenn das Geld statt in Abwrackprämien oder Bad-Bank-Einrichtung in Klimaschutzprogramme und soziale Dienstleistungen flösse? Wäre damit der Gesellschaft vielleicht langfristig mehr gedient?


genanet geht diesen Fragen mit einer Reihe von Stellungnahmen zur Finanzkrise, Ressourcenverbrauch und Gender nach. Den Auftakt machen Dr. Uta von Winterfeld, vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und Adelheid Biesecker, erimitierte Bremer Wirtschaftsprofessorin und Mitbegründerin des „Netzwerks vorsorgendes Wirtschaften“.

Einig sind sich beide in ihren Analysen: die Krise ist keine einmalige Entgleisung, sondern systemisch bedingt. Es ist an der Zeit über eine andere Form des Wirtschaftens nachzudenken und Alternativen zu entwickeln. Von Winterfeld zeigt in ihren Anmerkungen die gemeinsamen Ursachen der ökologischen Krise und der Finanzkrise auf. Sie fordert, die Wirtschaft „vom Kopf auf die Füße zu stellen. Wirtschaften dient der Versorgung der breiten Bevölkerung mit dem alltäglich Notwendigen. Wirtschaften ruht auf dem Handlungsprinzip der Sorge. Sorgen und Fürsorgen sind Tätigkeiten, welche die Erde so erhalten, fortdauern lassen und wiederherstellen, dass Menschen so gut wie möglich auf ihr leben können.“

Biesecker verdeutlicht in ihrem Beitrag, dass die Maßnahmen zur Krisenbekämpfung, zur Bewältigung der sozial-ökologischen Krise, derselben Rationalität folgen, die die Krise hervorgerufen hat. Deshalb geht es bei der Bewältigung „nicht um Reform, sondern es geht um eine ganz neue „Finanzarchitektur“ mit einer neuen Rationalität, der Rationalität des langfristigen Erhaltens des Lebendigen.“ Am Beispiel des Klimaschutzes demonstriert sie, dass die Maßnahmen zur Krisenbekämpfung derselben Denkweise folgen, die die Krise hervorgerufen hat.

Die Positionspapiere können sind hier abrufbar. Das nächste Papier erscheint im April. In ihm beleuchtet Prof. Dr. Ines Weller die Technologiepolitik vor dem Hintergrund der Finanzkrise.


genanet – Leitstelle Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit ist die Koordinations- und Servicestelle für den Themenbereich Geschlechtergerechtigkeit, Umwelt und Nachhaltigkeit. Informieren, koordinieren, Impulse geben, Stellung beziehen – diese Arbeit leistet genanet, das Ziel ist umfassender: neue Konzepte und Ideen zu entwickeln, wie Genderaspekte in den Bereich "Umwelt und Nachhaltigkeit" erfolgreicher integriert werden können. genanet wird finanziell gefördert vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt.

Kontakt: genanet – Leitstelle Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit / LIFE e. V. , Ulrike Röhr, Dircksenstraße 47, 10178 Berlin, Tel. 030/308798-35, leitstelle(at)genanet.de, www.genanet.de



Wir vermitteln Ihnen gerne Interviews mit ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis zu den unterschiedlichen Bereichen im Themenfeld Gender - Umwelt - Nachhaltigkeit (z.B. Mobilität/ Verkehr, Land- und Gartenbau, Forstwirtschaft, Flächenverbrauch und Wohnen, Energie, Biodiversität, Klimaschutz, Chemikalien u.v.m.).