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GENANEWS SOMMER 2014 ERSCHIENEN

Der aktuelle Newsletter informiert wie immer über die Aktivitäten von genanet sowie über Gender und Umweltaktivitäten anderer Organisationen und ExpertInnen, berichtet über neue...

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LEITFADEN FÜR UNTERNEHMERINNEN

Wir freuen uns, Ihnen unseren Leitfaden für Gründerinnen und Unternehmerinnen zum ökologisch nachhaltigen, sozialen und gerechten Wirtschaften präsentieren zu können. Sie können ihn...

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BERLINER UNTERNEHMERINNENTAGE

Unser Projekt "FrauenUNTERNEHMEN Green Economy" war mit einem Stand auf dem Berliner Unternehmerinnentag vertreten. Leider war der Tag mangels Werbung und vielleicht auch...

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Gender | Umwelt | Nachhaltigkeit

 

DIE GENDERPERSPEKTIVE IN DEN EINZELNEN UMWELTBEREICHEN

Ein Überblick über die Genderaspekte in verschiedenen Umweltbereichen. Aktuelle Informationen und Materialien finden Sie auf den jeweiligen Unterseiten.

Gender & Biodiversität
Trotz aller politischer Anstrengungen ist es bisher nicht gelungen, den Rückgang der biologischen Vielfalt zu bremsen. Eine Analyse der Ursachen zeigt, dass viele andere Politikfelder wie z.B. Landwirtschafts- und Verkehrspolitik große Auswirkungen auf das Querschnittsthema haben. Die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, konsumieren und wirtschaften hat einen grundlegenden Einfluss auf unsere Umwelt und auf uns. Eine solche gesellschaftsbezogene Herangehensweise muss bestehende Geschlechterverhältnisse berücksichtigen. Weltweit sind Frauen und Männer für unterschiedliche Bereiche der natürlichen Ressourcen zuständig und haben unterschiedliches Wissen über biologische Vielfalt. In vielen Kulturen sind es Frauen, die mit ihren Gärten und Kleinstlandwirtschaften für die Pflege und Weiterentwicklung von Saatgut zuständig sind, Medizinalpflanzen anwenden oder wilde Früchte und Pflanzen sammeln. Gleichzeitig sind die Vorteile, die aus Erhaltung, nachhaltiger Nutzung und Verwendung genetischer Ressourcen entstehen, zwischen Männern und Frauen unterschiedlich verteilt und entsprechen nicht dem geleisteten Beitrag. Darüber hinaus ist der Einfluss von Frauen und Männern auf die politische Willensbildung und Entscheidungsfindung sehr unterschiedlich; sei es Agrarforschung oder Firmenentscheidung ? Frauen sind als Entscheidungsträgerinnen unterrepräsentiert, ihre Lebensentwürfe und Erfahrungshintergründe, Wertschätzungen und Bedürfnisse werden kaum einbezogen.

Gender & Energie
Es bestehen zum Teil erhebliche Geschlechterunterschiede in Bezug auf Energienutzung und Risikowahrnehmung: so zeigen Frauen im Alltag ein größeres Energiesparbewusstsein, während Männer eher auf technologische Lösungen für die ökologischen Folgen überhöhten Energiebedarfs setzen. In den Entscheidungspositionen des Energiebereichs sind Frauen jedoch nach wie vor unterrepräsentiert. Das betrifft sowohl den Frauenanteil in Energieunternehmen als auch die politische Teilhabe in Bezug auf Entscheidungen, die Instrumente wie Ökosteuer oder die Förderung erneuerbarer Energien betreffen. Dennoch kämpfen Frauen darum, ihre Stimme hörbar zu machen ? bestes Beispiel sind die mehrheitlich weiblichen AtomkraftgegnerInnen. Auch auf internationaler Ebene mischen sich Frauen in die Energiepolitik ein, etwa bei den Sitzungen 14 und 15 der UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD) zum Thema Klimaschutz und Energie.

Gender & Klimaschutz
Klimaschutz ist eng mit den Handlungsbereichen Energie und Mobilität/Verkehr verbunden. Genderaspekte zeigen sich darüber hinaus besonders deutlich bei den Auswirkungen des Klimawandels: Gesundheitliche Belastungen durch heiße Sommer werden von Frauen und Männern unterschiedlich wahrgenommen, die Zunahme der Versorgungs- und Pflegearbeit nach Naturkatastrophen geht deutlich zu Lasten von Frauen. Geschlechterunterschiede zeigen sich auch bei der Einschätzung der Klimaschutzpolitik. Die Unterseite UN-Klimaverhandlungen befasst sich ausschließlich mit den Aktivitäten zur Integration der Genderperspektive im Kontext der internationalen Klimakonferenzen im Rahmen der UN-Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls (UNFCCC).

Gender, Ernährung & Agrar
Frauen bewirtschaften weltweit den größten Anteil an kleinbäuerlichen Betrieben, betreiben Subsistenzanbau und sichern damit die Ernährung ihrer Familien. Hier wird die enge Verknüpfung zwischen Produktion und Konsumption von Nahrungsmitteln besonders deutlich - Anbaumethoden der Exportwirtschaft, die der Umwelt schaden, haben oft direkte Rückwirkungen auf die Lebenssituation ländlicher Frauen. In den industrialisierten Ländern sind diese Zusammenhänge häufig weniger sichtbar. Geschlechterunterschiede treten hier vor allem im Ernährungsverhalten und -bewusstsein deutlich zu Tage: Frauen ernähren sich gesünder, essen weniger Fleisch und stehen Risikotechnologien wie der Gentechnik kritisch gegenüber.

Gender & Mobilität
Im Bereich Verkehr und Mobilität besteht Forschungs- und Handlungsbedarf hinsichtlich besserer, d. h. objektiver Erhebungskategorien und Methoden der Datenbeschaffung und der Bewertung von Verkehrsnetzen und Bedarfsprognosen. Herkömmliche Verkehrplanung tut sich bislang schwer, die Geschlechterunterschiede zu berücksichtigen, die sich vor allem in Bezug auf Mobilitätsmuster und die Verwendung unterschiedlicher Verkehrsmittel zeigen. Versorgungsaufgaben, die nach wie vor hauptsächlich von Frauen übernommen werden, wie Einkaufen oder Begleiten und Abholen von Kindern, erfordern die Verknüpfung vieler kurzer Wege. Dafür sind gute Querverbindungen im ÖPNV nötig ? und die Sicherung von Fuß- und Radwegen, denn Frauen sind auf kurzen Strecken auch öfter zu Fuß, während Männer weiterhin auf das Auto als wichtigstes Transportmittel setzen. Folgen der Mobilität wie Luftverschmutzung und Lärmschutz und deren gesundheitliche Auswirkungen wurden bisher kaum geschlechtsspezifisch betrachtet. Aktuelle Untersuchungen weisen auch hier auf Geschlechterunterschiede hin.

Gender & Nachhaltigkeit
Mit ihrer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie hat sich die Bundesregierung verbindlich auf langfristige Zielsetzungen in verschiedenen Themenschwerpunkten festgelegt, wie zum Beispiel beim Klimaschutz, bei der Ernährung, der Gleichberechtigung oder der Bildung. Über den Stand der Zielerreichung wird alle zwei Jahre berichtet und die Strategie konkretisiert. genanet setzt sich dafür ein, dass die bisher vernachlässigte Perspektive der Geschlechtergerechtigkeit durchgängig berücksichtigt wird - auch in der Europäischen Nachhaltigkeitsstrategie (EU-SDS).

Gender, Umwelt & Gesundheit
Es gibt deutliche Hinweise, dass physiologische Geschlechterunterschiede die unterschiedlichen Reaktionen von Frauen- und Männerkörpern auf Umweltbelastungen und -gifte beeinflussen. Dies gilt besonders für Auswirkungen auf die Fortpflanzungsorgane. Darüber hinaus bedingt das Geschlechterverhältnis als soziale Ordnung aber auch unterschiedliche Muster der Schadstoffexposition: Frauen und Männer sind in ihrem Alltag nur teilweise den gleichen Stoffen ausgesetzt. Frauen kommen stärker mit Waschmitteln, Kosmetika und Reinigungsmitteln in Berührung als Männer, während letztere von Berufskrankheiten wie Maler- oder Maurerkrätze, ausgelöst durch berufstypische Stoffe (Lösemittel, Isocyanate in Zement); fast alleine betroffen sind. In vielen Ländern des Südens, aber auch in Osteuropa arbeiten vor allem Frauen in der Landwirtschaft. Durch den Einsatz von chemischen Pflanzenbehandlungsmitteln ? meist ohne die erforderlichen Arbeitsschutzvorkehrungen ? sind sie einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt. 

Gender und Wasser
Zugang und Nutzung von Wasserressourcen haben einen deutlichen Genderaspekt. Im globalen Süden sind es vor allem Frauen und Mädchen, die für die tägliche Wasserversorgung zuständig sind und daher die Folgen zunehmender Wasserknappheit als Erste spüren: längere Wege, größerer Zeitaufwand und schwindender Zugang zu öffentlichen Gewässern, von denen gerade ärmere Frauen abhängig sind. Gleichzeitig haben Frauen auch im Bereich des Wassermanagements wenig Entscheidungsmacht - eine Integration der Geschlechterperspektive ist hier unbedingt notwendig. Im Süden wie im Norden organisieren Frauen sich im Widerstand gegen die zunehmende Privatisierung der Wasserversorgung und fordern den Zugang zu sauberem Trinkwasser für Alle als öffentliches Gut.