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GENANEWS MAI/JUNI 2013 ERSCHIENEN
Der aktuelle Newsletter informiert wie immer über die Aktivitäten von genanet sowie über Gender und Umweltaktivitäten anderer Organisationen und ExpertInnen, berichtet über neue...
FRAUENUNTERNEHMEN GREEN ECONOMY
In Kooperation mit der WeiberWirtschaft eG soll das neue genanet-Projekt Wege für Frauenunternehmen zu einem umweltschonenden und sozial gerechten Wirtschaften aufzeigen. Es startet...
NICHT EINFACH GRÜNER, SONDERN ANDERS
"Auf dem Weg in eine ressourcenschonende und gerechte Gesellschaft" lautet der Untertitel der Broschüre, mit dem das Projekt Green Economy Gender_Gerecht nicht nur seine Ergebnisse...
Die Autorinnen Catherine Lutz und Anne Lutz Fernandez greifen mit ihrem 2010 erschienenen Buch Carjacked. The Culture of the Automobile and Its Effect on Our Lives die us-amerikanische Automobilkultur an. Hierbei blicken sie auch auf die geschlechtlichen Komponenten des Mobilitätsverhaltens und der „Autoideologie“ - so nennen sie das Phänomen, dass immer mehr US-BürgerInnen immer größere und leistungsstärkere Autos besitzen. Insgesamt existieren 244 Millionen Fahrzeuge in den USA, so dass 90 Prozent aller Haushalte eins oder mehrere Fahrzeuge besitzen. Hinzu kommt, dass alle Fahrzeuge nicht nur mehr, sondern auch größer werden. In den letzten 20 Jahren haben sich die PS-Zahlen gar verdoppelt. Diese Entwicklung führt zu einem enorm gesteigerten Benzinverbrauch: der nationale Durchschnitt lag 2004 bei 9,5 Litern auf 100 km.
Die beiden Autorinnen assistieren den US-AmerikanerInnen eine ganz besondere Liebe zum Auto, die nicht allein durch Bequemlichkeit zu begründen sei. So fahren viele mit dem Auto zur Arbeit, obwohl es mit dem öffentlichen Verkehr oder Carsharing sehr viel günstiger, zeitsparender und stressfreier ist. Das Autofahren muss den Autorinnen nach für eine besondere us-amerikansiche Ideologie von gemeinsamen Werten wie Freiheit, Fortschritt und Erfolg stehen, sonst ließe sich das Risiko nicht erklären, das tagtäglich auf sich genommen wird: pro Tag sterben in den USA 112 Menschen durch Verkehrsunfälle und es ist dreimal wahrscheinlicher, durch einen Autounfall als durch Mord zu sterben. Für Kinder gibt es kein größeres Todesrisiko als Autofahren.
Welcher Autotyp gefahren wird und für welche Wege er genutzt werden, ist auch eng mit der Vorstellung davon verknüpft, für welchen Typ Mann oder Frau die US-AmerikanerInnen sich halten. Männlichkeit kann durch hohe gefahrene Kilometerzahlen und durch Wissen über Motoren und Automarken demonstriert werden und Weiblichkeit über das scheinbar mühelose Chauffieren von Kindern zur Schule und Freizeitaktivitäten. Sowohl Väter als auch Mütter geben an, gerne Auto zu fahren, weil sie durch das Chauffieren der Kinder Zuwendung und Liebe meinen ausdrücken zu können – wobei Frauen doppelt so viele dieser Fahrten übernehmen. Viele Eltern kümmern sich mehr um ihre Kinder, indem sie sie zu Schule, Sport und Freunden fahren, als durch Kochen oder andere Hausarbeit. Autos sind also zum hauptsächlichen Hilfsmittel beim Großziehen von Kindern geworden. Ein sehr verrücktes Phänomen, wenn die Gefahren, die diese Kinder tagtäglich im Verkehr ausgesetzt sind, bedacht werden. Durch die beschrieben „Autoideologie“ werden Alternativen zum Chauffieren von Kindern kaum bedacht: so könnten sie sich in Unabhängigkeit erproben, wenn sie beispielsweise mit dem Fahrrad zum Sportplatz führen oder die Eltern könnten mehr Zeit mit den Kindern in der direkten Umgebung des Wohnorts verbringen.
Auszüge aus dem Buch Carjacked. The Culture of the Automobile and Its Effect on Our Lives finden sich auf deutscher Übersetzung auf der Seite der Zeitschrift Luxenburg.
Das österreichische Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) vergab am 10. Mai 2010 erstmals den Gender Award an Projekte aus den Förderungsprogrammen "Intelligente Verkehrssysteme und Services plus" und TAKE OFF mit dem Ziel, die teilweise noch geringe Beteiligung von Wissenschafterinnen in den Forschungs- und Technologieprogrammen kontinuierlich zu steigern. Durch die Vorbildwirkung der prämierten Projekte soll zudem die Bedeutung von Chancengleichheit und Gender-Aspekten in Forschung und Entwicklung unterstrichen werden. Menschen, die Versorgungsarbeit leisten (für sich und andere Personen, wie Kinder und ältere Menschen), haben andere Mobilitätsbedürfnisse als Menschen, die sich zur Arbeitsstätte begeben und wieder zurück. Die Entwicklung spezifischer Lösungsansätze steckt bisher allerdings noch in den Kinderschuhen. Damit es hier in Zukunft nicht zu Fehlentwicklungen und -investitionen kommt, hat das BMVIT als eine Maßnahme von mehreren, den Gender Award IV2Splus/TAKE OFF ausgeschrieben.
„Gerade in einem so männlich dominierten Bereich, wie dem Verkehrs- und Luftfahrtsektor ist eine derartige Auszeichnung ein wichtiges Instrument zur Sensibilisierung der relevanten Akteurinnen und Akteure im Feld“, so DI Martin Russ, Kabinett Bundesministerin Bures, der den Gender Award verliehen hat.
Insgesamt 85.000 Euro gingen an acht Projekte und eine Studie.
Aktuell wurden vom BMVIT in Österreich der Women.award ausgeschrieben. Mit diesem sollen „starke Frauen, die in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen Besonderes leisten“ in sieben Kategorien ausgezeichnet werden. Darunter befinden sich Kategorien für nationales und internationales soziales Engagement, worum sich Frauen bewerben können, die sich für ihre Umwelt und ihre Mitmenschen stark machen.
Dass sich Frauen umweltfreundlicher als Männer fortbewegen, bestätigt eine Untersuchung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vom März 2010. Demnach legen Österreichs Frauen ihre Alltagswege im Schnitt zu 51 Prozent zu Fuß, mit dem Rad oder dem öffentlichen Verkehr zurück, wohingegen Männer durchschnittlich nur zu 36 Prozent diese Fortbewegungsmittel wählen. Die Mobilität der Frauen verursacht somit rund 2,1 Millionen Tonnen weniger CO2 als jene der Männer. Laut VCÖ nehmen Frauen durch ihre stärkere Unabhängigkeit vom Auto einen Zukunftstrend in der Mobilität vorweg. Der VCÖ fordert daher die stärkere Einbeziehung von Frauen in die Verkehrsplanung und die Einführung von Gender-Budgeting im Verkehrsbereich, so dass 50 Prozent der Investitionen Frauen zu Gute kommen.
Der Hintergrundbericht Gender Gap im Verkehrs- und Mobilitätsbereich des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) bietet einen umfassenden Überblick zu den Geschlechterdifferenzen im Bereich des Verkehrs und zu geschlechterpolitischen Strategien für die Veränderung des Status quo. Empirische Daten zur unterschiedlichen Verkehrsmittelwahl, zur täglichen Anzahl an Wegen und vielem mehr werden ebenso wie eine interessante Kritik an den Erhebungsmethoden genannt. Die Möglichkeiten des Gender Mainstreaming und Gender Budgeting in den Bereichen Verkehr und Mobilität kommen ebenso wie erfolgreiche, praktische Beispiele, in denen Gender für Planungsprozesse oder Forschungsprojekte eine Rolle spielte, zur Sprache.
Die erste Ausgabe des Magazins des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) von 2009 dreht sich rund um das Thema Gender und Verkehr. Berichte über Österreichs ersten Gender Mainstreaming Bezirk und die Wichtigkeit des Fahrrads für das Zeitsparen von Frauen in Asien und Afrika stehen neben Interviews mit Sibylla Zech, Geschäftsführerin des Planungsbüros stadtland, oder mit Brigitte Jilka, Stadtbaudirektorin von Wien, über die unterschiedlichen Zugänge von Frauen und Männern zur Verkehrsplanung und die Bedeutung von Beteiligungsprozessen.
Das technische Büro Knoll & Szalai in Wien hat im Rahmen des Forschungsprojektes "Frauenwege- Männerwege: Entwicklung von Methoden zur genderspezifischen Mobilitätserhebung" die gängigen Methoden zur Mobilitäts- und Verkehrserhebung in Österreich aus der Genderperspektive analysiert. Die entsprechende Studie wurde in der Schriftenreihe des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie veröffentlicht. Darin zeigen die Autorinnen auf, dass durch die gängigen Verkehrs- und Mobilitätserhebungen nur bestimmte Alltage und Lebenszusammenhänge abgefragt und wesentliche Aspekte des Mobilitätsverhaltens vor allem von Menschen mit Betreuungspflichten ausgeblendet werden. Eine Genderanalyse untersucht die soziokulturellen Rollenerwartungen, aus denen sich die Befragungsdesign abgebildeten Geschlechterstereotypen speisen. Als Gegenentwurf wurde ein Modellfragebogen entwickelt, der – auf Basis der bestehenden Mobilitätserhebungen - die Wegeketten und Wegezwecke differenziert und aufgeschlüsselt nach Tätigkeiten (Erwerbsarbeit, Sorgearbeit, Ehrenamt usw.) abbildet.
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (kfw) hat eine Positionspapier zu den Genderwirkungen des öffentlichen Nahverkehrs und der Mobilität in asiatischen Metropolen am Beispiel des Großraums Jakarta ins Netz gestellt. Das Papier fasst wesentliche Ergebnisse und Schlussfolgerungen einer Untersuchung von Meike Spitzner, Wuppertal Institut und weiteren ExpertInnen zusammen.