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genaNews Dezember 2019

Liebe Leserinnen und Leser,

 

wir freuen uns, dass wir die genaNews dank einer kleinen Förderung aus BMU und UBA weiterführen können. Ebenso wird unsere Webseite leicht überarbeitet und vor allem technisch aktualisiert. Zu verdanken haben wir das vor allem Umweltministerin Svenja Schulze, die sich sehr für Geschlechtergerechtigkeit in der Umwelt- und Klimapolitik einsetzt. Mehr dazu unten.

 

Was hat sich seit unserem letzten Newsletter vor genau einem Jahr getan? Unser Forschungsprojekt zu den Interdependenten Genderaspekten der Klimapolitik ist abgeschlossen, auch das zweite Forschungsprojekt zu Gender in den verschiedenen Bedürfnisfeldern bewegt sich auf sein Ende zu. Informationen zu beiden Projekten finden Sie hier.

 

Auf europäischer Ebene nimmt gerade das Thema Energie aus Genderperspektive Fahrt auf, auf internationaler Ebene wird im Chemikalienprozess der Schritt von der Adressierung von Frauen- zu den Genderaspekten der Chemikalienpolitik gemacht.

 

Und wir müssen leider zunehmend die Erfahrung machen, dass Antifeminismus und Klimaskeptizismus mit vereinten Kräften gegen die Lösung wichtiger gesellschaftlicher Probleme angehen. Darüber und über weitere Aktivitäten und Erkenntnisse zu Umwelt- und Klimapolitik aus der Geschlechterperspektive berichten wir in diesen genaNews.

 

Wir wünschen wie immer viel Spaß beim Mehren der Erkenntnisse

 

Ulrike Röhr


 

Forschungsprojekte zu Gender in der BMU/UBA-Ressortforschung

Das Forschungsprojekt Interdependente Genderaspekte der Klimapolitik, über das wir in den genaNews regelmäßig berichtet haben, ist zum 31.10.2019 mit der Abgabe des Schlussberichts beendet worden. Der Bericht, der nach Abnahme durch das UBA veröffentlicht wird, beinhaltet eine Zusammenfassung der Ergebnisse der drei Arbeitspakete (die Ergebnisse des Literaturreviews zu Gender und Klima in Industrieländern war in voller Länge bereits 2018 veröffentlicht worden), die Arbeitshilfe zur gleichstellungsorientierten Folgenabschätzung für die Klimapolitik sowie Handlungsbedarfe und Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Klimapolitik in Deutschland. In einer Verlängerung des Projektes wurde das BMU bei deren Anstrengungen für eine geschlechtergerechte Klimapolitik unterstützt.

 

 

Das zweite Forschungsprojekt, das sich mit den Genderaspekten der Bedürfnisfelder Mobilität, Konsum, Ernährung und Wohnen als Grundlage des urbanen Umweltschutzes befasst und in dem vor allem der Stand der Erkenntnisse und der Forschungsbedarf eruiert wurde, geht ebenfalls in seine Endphase. Ein Fachworkshop, bei dem ausgewählte Ergebnisse und Empfehlungen mit einem Fachpublikum diskutiert wurden, fand Ende Oktober im Umweltbundesamt statt. Der Schlussbericht wird Ende Februar 2020 fertig gestellt.


 

Gendergerechtigkeit im Bundesumweltministerium

Das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Umwelt- und Klimapolitik ist jetzt auch im Bundesumweltministerium (BMU) angekommen. Das zeigt sich nach außen vor allem in dem neu eingerichteten Referat Z I 7 Genderaspekte der Umweltpolitik und soziale Verwaltungsangelegenheiten, das von der langjährigen Gleichstellungsbeauftragten des BMU geleitet wird. Es zeigt sich in den Vernetzungstreffen, zu denen die Ministerin regelmäßig die Frauen aus den Leitungsebenen der Umweltverbände einlädt, um mit ihnen über Inhalte einer geschlechtergerechten Umwelt- und Klimapolitik, über Strategien zu deren Umsetzung als auch über strukturelle Hindernisse für Frauen in den Verbänden zu diskutieren. Auch wurde bereits ein Gender-Workshop mit der Leitungsebene durchgeführt, zu dem die Ministerin eingeladen hatte und an dem sie selbst auch teilgenommen hat. Ein weiterer Workshop, wie Gender bei der Umsetzung der vom BMU durchzuführenden Maßnahmen des Klimaschutzprogramms 2030 berücksichtigt werden kann, steht demnächst an. Mit den Ergebnissen der Forschungsprojekte, über die oben berichtet wurde, stehen auch „just in time“ Erkenntnisse und Instrumente zur Verfügung, die diese Arbeit erleichtern. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!


 

Jung, weiblich, verhasst

Fridays for Future sind auch nach einem Jahr Freitagsdemonstrationen noch überall präsent, und es sind vor allem junge Frauen, die das Bild der Bewegung prägen. Das gilt nicht nur für die bekannten Sprecherinnen, sondern offenbar auch für die Mehrheit derer, die weltweit für den Klimaschutz demonstrieren. Die TU Chemnitz hat die geschlechtliche Zusammensetzung der Bewegung untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass „je jünger die Befragten waren, desto mehr weibliche Demonstrantinnen waren darunter“. Marlene Halser hat in einem Artikel sieben Thesen dazu aufgestellt, warum das so ist. Diese reichen von „Umweltschutz interessiert einfach mehr Frauen als Männer“, über die Vorbildfunktion junger Frauen in der Bewegung, die andere Frauen motivieren, bis hin zu „Medien berichten gerne über weibliche Heldinnen“. Das ruft aber leider auch die Antifeministen auf den Plan, die sich nicht nur an Greta Thunberg abkämpfen. Im Verbund mit Klimaskeptikern wird munter gemobbt, es werden Fake-News verbreitet und es sind vor allem Frauen, die Androhungen körperlicher oder sexualisierter Gewalt erhalten.

 

Das alles ist leider nicht neu und betrifft auch nicht nur junge Frauen. Kaum eine Gender-Klima-Expertin, die nicht ähnliches zu berichtet hat, wenn ein Artikel von ihr zu der Thematik online gestellt und kommentiert wurde. Da wird die wissenschaftliche Reputation in Frage gestellt, Satiresendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen greifen wissenschaftliche Studien auf und mokieren sich über für sie unverständliche Sätze oder auch nur über die Namen der Wissenschaftler*innen, es werden offene oder verdeckte Drohungen ausgesprochen und es geht dabei immer wieder unter die Gürtellinie – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Frage, wie wir uns am besten dagegen wehren können steht noch unbeantwortet im Raum. Aber wir werden nicht umhin kommen, uns damit auseinanderzusetzen. Leider. 


 

Gender-Problem Plastik: Frauen leiden mehr unter Giftstoffen als Männer

Die Giftstoffe aus Kunststoff sind ein Gesundheitsrisiko – allerdings mehr für Frauen als für Männer. Das geht aus dem Plastikatlas 2019 hervor, der von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) veröffentlicht wurde. Die unterschiedlichen Belastungen liegen zum einen an biologischen Umständen und zum anderen an tradierten Geschlechterrollen. Frauenkörper haben mehr Körperfett und reichern in ihrem Gewebe deshalb fettlösliche Chemikalien wie etwa Phthalat stärker an. Der Kunststoff-Weichmacher gilt auch laut Umweltbundesamt als höchst gesundheitsgefährdend. Besonders sensibel auf die Giftstoffe reagiert der weibliche Körper in Lebensphasen wie Pubertät, Stillzeit, Menopause und Schwangerschaft, heißt es im Plastikatlas. Kosmetika und Hygieneprodukte sind eine Ursachenquelle, Putzmittel eine andere. Immer noch sind Frauen vornehmlich für Hausarbeit zuständig oder in Reinigungsberufen beschäftigt. Reinigungsmittel enthalten ebenfalls Mikroplastik und Schadstoffe wie etwa gesundheitsschädliche Tenside oder Lösungsmittel.


 

Toxic Gender? Die Rolle von Sex und Gender im Chemikalien Management

Wie das Thema Sex bzw. Gender und Chemikalien im Umweltbundesamt (UBA) behandelt wird, beschreiben Arn Sauer und seine Kolleg*innen in einem Blogartikel. Obwohl diese Themen im UBA noch nicht strukturiert behandelt wurden, liegen erste Erfahrungen und Erkenntnisse aus einer Pilotstudie zu Reinigungsmitteln und einem interdisziplinären Forschungsnetzwerk zu Sex/Gender in der Umweltgesundheit vor, in dem in einer systematischen Überprüfung von Veröffentlichungen in den Bereichen Umwelttoxikologie, Umweltmedizin, Umweltepidemiologie und Volksgesundheit gezeigt wurde, dass Sex und Gender Aspekte sind, die in diesen Disziplinen noch weitgehend ignoriert werden.

 

Sex und geschlechtsspezifische Probleme beim Umgang mit Chemikalien fanden in der Vergangenheit von verschiedenen Wissenschaftsgemeinschaften und zuständigen Behörden nicht genügend Beachtung, dies muss sich in Zukunft ändern. Darum ist es so wichtig, dass SAICM die Aufmerksamkeit auf Geschlecht und Geschlechterfragen lenkt. auch die Agenda 2030 mit ihren Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) bietet die Gelegenheit, das Bewusstsein für die geschlechtsspezifischen Auswirkungen auch auf den Chemikalienverbrauch und das Chemikalienmanagement zu übertragen.

 

Das zeigen auch Anna Holthaus und Minu Hemmati in einem Beitrag im Rundbrief Spezial Forum des Umwelt & Entwicklung, erschienen anlässlich des Nachhaltigkeitsgipfels der Vereinten Nationen. Sie beschreiben das „Chemische Ungleichgewicht. Geschlechter(un)gerechtigkeit in der Welt der Chemie“ und machen Vorschläge, wie Geschlechtergerechtigkeit hergestellt und die Umsetzung des Nachhaltigkeitsziels 5 (Gender Equality) vorangetrieben werden kann.

 

Auch auf internationaler Ebene wird im Chemikalienprozess (SAICM) der längst fällige Schritt von der Adressierung von Frauen- hin zu den Genderaspekten der Chemikalienpolitik gemacht. Die neu eingerichtete Gruppe „Women and Gender @ SAICM“ hat jüngst ein Positionspapier erarbeitet, in dem u.a. empfohlen wird einen Gender-Focal Point im SAICM Sekretariat einzurichten und einen Genderaktionsplan zu entwickeln.


 

Die männliche Stadt

In einem sehr lesenswerten Artikel des ZEIT-ONLINE-Mobilitäts-Schwerpunktes „Wenn möglich, bitte wenden", wird beschrieben, dass viele Städte nach dem 2. Weltkrieg von Männern für ihre Bedürfnisse gebaut wurden: Hauptsache effizient zur Arbeit. Pech für alle, die nicht mit dem Auto unterwegs sind. Der Artikel sucht nach den Gründen, beschreibt die Wirkungen dieser verfehlten Verkehrspolitik und zeigt anhand einiger Beispiele auf, wie es anders gehen könnte. Bitte wenden! Es ist möglich.


 

Wie geschlechterneutral sind Elektroautos?

An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurde mit der Soziologin Dr. Andrea Wolffram eine Professur zur Erforschung der Einflüsse von Geschlechterrollen auf moderne Technologieentwicklung, insbesondere in Bezug auf Nutzung von Elektromobilität besetzt. Die „Marianne-Schminder-Gastprofessur für Geschlechterforschung“ ist auf zwei Jahre angelegt und fördert Wissenschaftlerinnen, die sich neben ihrem eigentlichen Forschungsschwerpunkt der Genderforschung widmen.

 

Dr. Andrea Wolffram ist eine anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Technik- und Organisationssoziologie und Geschlechterforschung. Sie analysiert, wie Erfindungen und neue Technologien in der Vergangenheit und heute von wem genutzt wurden und werden, welche Geschlechterverhältnisse sich in Technologien einschreiben und damit auch welche unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männer im Entwicklungsprozess von Technologien Berücksichtigung finden.

 

„Technik ist nicht neutral“, so Gastprofessorin Dr. Wolffram bei ihrer Antrittsvorlesung. „Schon immer sind gesellschaftlich definierte Geschlechterrollen ein zentraler Faktor sozialer Ungleichheiten bei technologischen Entwicklungen gewesen.“ Als in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts das Fahrrad erfunden wurde, habe die damalige Mode verhindert, dass Frauen von der Entwicklung profitierten. Das gelte genauso für die Durchsetzung des Verbrennungsmotors in Automobilen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. „Bis heute gelten vor allem die PS-starken Versionen als männlich. Im Gegensatz dazu wurde der Wandel hin zum Elektroauto in den Medien zunächst hauptsächlich durch Mobilitätsmotive und -bedürfnisse beworben, die mit Frauen assoziiert werden. Jüngste Entwicklungen in der Elektromobilität ermöglichen nun aber wieder die Verknüpfung von Männlichkeit mit dem Auto als Abenteuermaschine.“

 

Wir sind gespannt auf die Erkenntnisse, die die Gastprofessur hervorbringen wird, nimmt doch die Förderung der Elektromobilität einen großen Raum im Maßnahmenprogramm 2030 zum Klimaschutz der Bundesregierung ein.

 

Pressemitteilung


 

Warum die Agenda 2030 (noch) nicht dazu beiträgt, die Gendergerechtigkeitsbewegung in Deutschland voranzubringen

Das im Auftrag von UN WOMEN erstellte Diskussionspapier befasst sich mit der Rezeption der Agenda für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (2015) und insbesondere damit, inwieweit das nachhaltige Entwicklungsziel 5 (Geschlechtergerechtigkeit) die deutsche Bundespolitik beeinflusst. Im Ergebnis zeigt sich, dass in Deutschland bislang kein erkennbarer Anstoß der Agenda auf die Frauen*bewegung und den Kampf um Gleichberechtigung zu verzeichnen ist. Das Ergebnis überrascht insofern, als der gesamtheitliche Anspruch der Agenda 2030 gerade dadurch einen “Mehrwert” bietet, dass sie herkömmlich eher nicht miteinander verknüpfte Politikbereiche - Geschlechter-, soziale, und Klimagerechtigkeit - zusammenführt und auf eine neue Ebene heben könnte.

 

Die Autorinnen Hannah Birkenkötter, Gabriele Köhler und Anke Stock schlagen vor, bei Politikentscheidungen den Mehrwert der Agenda 2030 und ihres Geschlechtergerechtigkeitsziels aufgrund ihrer Verschränkung mit „grünen“ Anliegen klarer erkennbar werden zu lassen. In zivilgesellschaftlichen Zusammenhängen müssten NGOs aus der Genderpolitik und aus der ökologischen Bewegung strategisch zusammenarbeiten. Auch wäre anzuregen, sich stärker mit den politischen Parteien zusammenzusetzen, die sich für Genderfragen und Nachhaltigkeit engagieren. Die Studie weist auf zwei unmittelbar anstehende Prozesse hin, die Ansatzpunkte hierfür bieten könnten: die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie wird bis 2020 überarbeitet, und Deutschlands nächster Beitrag zum Hochrangigen Politischen Forum der Vereinten Nationen steht 2021 an. (gekürzt aus der deutschen Zusammenfassung des Diskussionspapiers)


 

Genderbalance in Parlamenten und Abstimmungsverhalten zu Umwelt

Befragungen der Bevölkerung zu ihren Einstellungen zum Klimawandel, zu Ernährungsgewohnheiten oder zur Energiewende zeigen konstant, dass Frauen deutlich umwelt- und klimaschonender eingestellt sind und sich auch entsprechend verhalten. Das lässt vermuten, dass auch weibliche Abgeordnete positiver bei Umwelt- und Klimapolitik abstimmen als männliche. Eine Studie des Verhaltens weiblicher und männlicher Abgeordneter des Europaparlaments bestätigt dies jetzt.

 

Basierend auf Umfragedaten, die im Zeitraum des sechsten (2004–09) und siebten Europäischen Parlaments (2009–14) gesammelt wurden, zeigten sich zunächst keine substanziellen Einstellungsunterschiede zwischen weiblichen und männlichen Abgeordneten in Umweltthemen, wenn die Zugehörigkeit der MdEPs zu ihren jeweiligen EP-Fraktionen in einbezogen werden. Dies bedeutet, dass Ideologie beziehungsweise Fraktionszugehörigkeit die Unterschiede zwischen Abgeordneten besser erklärt als das Geschlecht. Wird allerdings die Aufmerksamkeit auf konkretes Verhalten gerichtet – und zwar auf Abstimmungen zu Umweltthemen aus demselben Zeitraum –, dann zeigt sich ein ganz anderes Bild: Frauen stimmen weitaus häufiger für Gesetze und Maßnahmen ab, die dem Umweltschutz zugutekommen, als ihre männlichen Kollegen. Entscheidend ist, dass dieser Zusammenhang robust gegenüber anderen Faktoren wie etwa der Parteizugehörigkeit oder Nationalität der MdEPs ist. In Anbetracht der hohen Homogenität der Abgeordneten, ihrer Parteibindungen und ihrer nationalen Loyalität — allesamt Faktoren, die es unwahrscheinlicher machen, dass persönliche Attribute noch einen Einfluss auf ihr Verhalten ausüben können — sind diese Erkenntnisse bemerkenswert. Zusammengenommen zeigen die Ergebnisse, dass sich Männer und Frauen gleichermaßen für Umweltschutz aussprechen, es aber vorwiegend Frauen sind, die ihren Worten Taten folgen lassen (Ramstetter und Habersack 2019).


 

Soziale Absicherung der Bäuerinnen –in der Schweiz und weltweit

Bäuerinnen sind die Lebenskraft von Familienbetrieben auf der ganzen Welt. Sie sind für 70% der Welternährung verantwortlich. Ihre ungenügende soziale Anerkennung stellt einen Missstand dar, der in der Schweiz und weltweit behoben werden muss, sagen der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) und die Stiftung SWISSAID. Mit einer Postkarten- und Äpfel-Verteilaktion vor dem Bundeshaus haben die beiden Organisationen deshalb den “Bäuerinnen-Appell” lanciert.

 

In der Schweiz hat die Zahl der Frauen, die sich an das Bäuerliche Sorgentelefon wenden, seit 2013 tendenziell wieder zugenommen. Problemstellungen, die mit der sozialen Absicherung zusammenhängen, kommen öfters vor als bei Männern.

 

Zum ersten Mal haben sich die beiden Organisationen SWISSAID und SBLV zusammengefunden, um gemeinsam politische Forderungen zu stellen. Sie wollen einerseits die Situation der Bäuerinnen in der Schweiz im Rahmen der Agrarpolitik 2022+ verbessern und andererseits das ab 2021 ein Fokus auf die Bäuerinnen im Rahmen der Internationalen Zusammenarbeit gelegt wird. Dazu haben sie einen Appell verfasst, der u.a. den Bundesrat und Parlament auffordert, für die kommende Legislaturperiode einen Maßnahmenkatalog vorzulegen, der sich der Situation der Bäuerinnen widmet. Damit soll die Wertschätzung der Arbeit der Bäuerinnen erhöht werden, insbesondere indem die soziale Absicherung der Bäuerinnen in der Agrarpolitik verankert, sowie die Mitbestimmung der Frauen in der Politik und in bäuerlichen Organisationen gefördert wird.

 

Unterstützen Sie den Bäuerinnen-Appell


 

Die Rolle der Frauen und das Ausmaß der Gleichstellung bei der Energiewende in der EU

Auf Ersuchen des FEMM-Ausschusses (European Parliament's Committee on Women's Rights and Gender Equality) wurde eine Studie in Auftrag gegeben, die die Rolle der Frau bei der Energiewende in der Europäischen Union und das Ausmaß der Gleichstellung der Geschlechter in diesem Prozess insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien untersucht. Identifiziert wurden geschlechtsspezifische Ungleichheiten, durch die Frauen daran gehindert werden, sich an der Energiewende und dem beruflichen Aufstieg in diesem Bereich zu beteiligen. Auch wurde bewertet, wie sich die Transformation zu einem nachhaltigen Energiemodell auf die Gleichstellung der Geschlechter und die Rolle von Frauen als Akteure des Wandels auswirkt. Die Studie verweist auf bewährte Verfahren zur Überwindung der Hindernisse für die Gleichstellung der Geschlechter bei der Energiewende und schließt mit Empfehlungen an die Entscheidungsträger in der EU und auf nationaler Ebene.

 

Dass es nach wie vor an geschlechterspezifischen Daten im Energiebereich mangelt, kritisiert ein europäisches Forschungsprojekt, dessen Ziel es ist, ein tieferes Verständnis für individuelle und kollektive energiebezogene Entscheidungen und Verhaltensweisen liefern soll. Diese Daten wären aber für politische Kampagnen und Interventionen hochgradig relevant.


 

Sind Energiegenossenschaften frauenfreundlicher als andere Energieunternehmen?

In vielen Ländern hat die politische und finanzielle Unterstützung des Übergangs zu erneuerbaren Energiesystemen in den letzten zwei Jahrzehnten die Gründung neuer Stromgenossenschaften gefördert. Genossenschaften zeigen als Sozialunternehmen in ihrem Handeln Verbundenheit mit Werten wie Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, so dass sie möglicherweise als frauenfreundliche Organisationen wahrgenommen werden. Bisher wurden in der Europäischen Union jedoch nur wenige empirische Untersuchungen zu diesem Thema durchgeführt. Die von Zofia Lapniewska durchgeführte Pilotstudie schließt diese Lücke. Sie eruiert, ob sich die Geschlechterperspektive in den Erklärungen und Maßnahmen der europäischen Energiegenossenschaften widerspiegelt und ob diese Perspektive mit der Größe der Genossenschaften, der gewählten Regierungsführung und den kulturellen Determinanten der Region / des Landes zusammenhängt. Die Studie zeigt, warum die Gleichstellung der Geschlechter für Stromgenossenschaften von Nutzen ist und wie die Forschungsergebnisse für Praktiker, Forscher und politische Entscheidungsträger nützlich sein können.


 

Towards gender-responsive implementation of extractive industries

Energieerzeugung und Speicherung, aber vor allem auch die Digitalisierung, basieren auf Rohstoffen, die zumeist in den Ländern des Globalen Südens abgebaut werden. Wie dieser Abbau die Menschenrechte von Frauen beeinflusst und wie der Abbau gender-responsiv geplant und umgesetzt werden könnte, legt eine Studie des Dänischen Instituts für Menschenrechte dar. Dabei geht es nicht nur um die Beteiligung von Frauen, sondern auch um die Berücksichtigung struktureller und kultureller Ungleichheit. Angesicht der anstehenden Fortschreibung des Deutschen Ressourceneffizienzprogramms, (ProgRess), das sich u.a. darauf verpflichtet, die sozialen Wirkungen des Rohstoffabbaus, hier besonders die Menschenrechte und die sozialen und ökologischen Standards, bei der Rohstoffsicherung zu beachten, sollte die Studie als Hilfestellung zu Rate gezogen werden.


 

Zum Weiterlesen

Sylka Scholz, Andreas Heilmann (Hrsg.): Caring Masculinities? Männlichkeiten in der Transformation kapitalistischer Wachstumsgesellschaften. Ökom Verlag, München 2019. 268 Seiten. Buch € 26, PDF € 20,99

 

Ein sich durch grenzenloses Wachstum stabilisierender Kapitalismus wird vor allem durch Männer getragen. Während in einer globalisierten Ökonomie die natürlichen Grenzen des Wachstums immer deutlicher erkennbar werden, bleibt das kulturell vorherrschende Selbstverständnis von Männlichkeit eng an eine imperiale Lebensweise von raumgreifender Expansion, schonungsloser Ausbeutung von Mensch und Natur sowie Dominanz und Ausgrenzung gebunden. Die für den Fortbestand der Welt zentralen Aspekte der Lebenssorge werden als weibliche Aufgaben aus dem männlichen Denken und Handeln ausgeklammert und männlichem Expansionsstreben untergeordnet.

 

Wie kam es historisch zu dieser verhängnisvollen Verbindung? Was sind demgegenüber fürsorgliche Männlichkeiten? Und welches transformative Potenzial könnten sie für eine demokratische Postwachstumsgesellschaft entfalten? Die in diesem Band versammelten Beiträge diskutieren diese Fragen aus den Perspektiven von Geschlechterforschung und Postwachstumsdebatte.


 

Veranstaltungen

Aktuelle Veranstaltungen rund um die Themen Gender, Umwelt und Nachhaltigkeit finden Sie wie gewohnt im Veranstaltungskalender auf unserer Webseit2.

 

Impressum

genanet - Leitstelle Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit

c/o GenderCC - Women for Climate Justice e.V.

Anklamer Str. 38

10115 Berlin

Redaktion: Ulrike Röhr

leitstelle@genanet.de

www.genanet.de

 

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